W. E. Frank, Orbel Grosse Lage Riesling 2018

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WeinpassIm Jahrgang 2018, unserem vierten Jahrgang, mögen wir den Orbel ganz besonders. Komplex, cremig sowie mit viel Mineralität und Tiefe. Ein Wein, den wir Ihnen besonders ans Herz legen.

Art.Nr: WF-18-4003
Gesamtproduktion

3.107 Flaschen

Alkoholgehalt

13,0 %

Geschmacksrichtung

trocken

Füllmenge

750 ml

Verschluss

Naturkork wachsversiegelt

Allergene

enthält Sulfite

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Der Orbel ist unsere kühlste Grand-Cru-Lage, die hochstrukturierte Cool-Climate-Weine mit einer kristallinen Salzigkeit und einem Hauch exotischer Frucht hervorbringt. Im Jahr 2018 mögen wir ihn besonders, da er seine Riesling-Brillanz aufs allerbeste mit burgundischen Elementen vereint und ein ganz großer Wein geworden ist. Mit diesem Wein sind wir unserem Ziel, in einer Blindprobe gegen jeden großen Weißwein dieser Welt bestehen zu können, einen großen Schritt näher gekommen.

Unsere Parzelle im Orbel

Unsere Parzelle im Orbel, die wir Estate Orbel nennen, besteht aus vier zusammenhängenden Flurstücken mit einer Gesamtgröße von 3.395 qm, deren mittlere Hangneigung 14,8 % beträgt. Die insgesamt 27 Zeilen sind im Jahr 1990 angelegt worden, den Klon können wir leider nicht mehr nachvollziehen. Im Jahr 2016 haben wir die Fehlstellen mit dem Mosel-Klon Weis 1 der Rebmanufaktur Weis in Leiwen nachgepflanzt.

Unsere Parzelle liegt im untersten Gewann des Orbels auf der rechten Seite der Straße nach Schwabsburg etwas vor dem Ortsschild. Durch seine tiefe Lage ist die Parzelle dem kühlenden Düseneffekt im Sommer besonders ausgesetzt, der in der Nacht für einen merklichen Luftzug aus dem Taleinschnitt in Richtung Rhein sorgt. Es ist eine der kühlsten Parzellen im Orbel und wir denken, dass man das unseren Weinen auch anmerkt.

Im Jahr 2018 haben wir begonnen, den Weinberg auf sanften Rebschnitt umzustellen, was bis zur vollständigen Umsetzung aber einige Jahre dauern wird. In diesem Zusammenhang versuchen wir auch die Rebstöcke zurückzusetzen, d. h. wir fördern einen Trieb von möglichst weit unten am Stamm und wenn er kräftig genug ist, schneiden wir den Stamm darüber ab. Aus dem verbleibenden Trieb wird dann mit der Zeit der neue Stamm. Dies hat den Hintergrund, dass bei uns, wie in vielen anderen Weinbergen weltweit auch, die Pilz-Krankheit Esca (aus dem lateinischen für Zunder) voranschreitet. Da die Esca-verursachenden Pilze hauptsächlich totes Holz befallen, wird dem Pilz mit dem Wegschneiden des alten Holzes die Haupteintrittspforte in den Rebstock genommen. Heute, also im Dezember 2021, sind wir auf diesem Weg gut vorangekommen. Die Teufelshörner, die durch den sanften Rebschnitt entstehen, formen sich langsam und auch wenn wir weiterhin Stockausfälle haben, ist die Tendenz erfreulicherweise abnehmend.

Die Lese

Wir haben unseren Orbel am 24. und 25.09.2018, also etwa zwei Wochen vor der Zeit gelesen, zu dem die Ernte in dieser Parzelle normalerweise stattfindet. Dieser frühe Lesezeitpunkt ist dem Hitzejahr 2018 geschuldet.

In Jahrgang 2018 betrug das Mostgewicht im Orbel 90,4 °Oe und die Säure 5,5 g/l. Das Weinsäure/Apfelsäureverhältnis betrug 2,00 d.h. es ist genau doppelt soviel „weiche“ Weinsäure als „harte“ Apfelsäure vorhanden. Das ist sehr gut für die Struktur und die Ausgewogenheit des Weines.

Wie auch beim Teufelskopf, hat der fertige Wein mit einer Gesamtsäure von 6,2 g/l mehr Säure als die Mostanalyse ausweist. Der Unterschied ist hier allerdings nicht so ausgeprägt. Auch hat der Wein mit 13,2 % mehr Alkohol als er nach der Mostanalyse haben sollte. Wir haben natürlich nicht chaptalisiert (und natürlich auch nicht aufgesäuert) – warum auch – und auch wenn wir den Orbel mit den erlaubten 15 % „luzifiziert“ haben (hochwissenschaftlich-önologische Erklärung: Luzifizierung = Verschnitt eines Weines mit Teufelskopf) ist dies nur schwer erklärbar. Es ist auf jeden Fall ein weiteres Zeichen, dass die Grapescans nicht so genau sind, wie wir das angenommen hatten.

Die Gärung

Nachdem wir – wie bei uns üblich – den Most für ca. einen Monat, heruntergekühlt mit Trockeneis, bei ca. 3 °C auf die Stabulation gelegt haben, haben wir durch das Weglassen der Trockeneiszugabe die Gärung eingeleitet. Wir lassen die Weine dabei spontan angären und wenn sie anfangen zu böchsern, geben wir Reinzuchthefe dazu (zu den einzelnen Hefestämmen später mehr). Die Gärung selbst findet bei uns im Freien statt, d. h. unsere Fässer stehen während des kompletten Winters draußen. Das führt zum einen dazu, dass bei einem kalten Winter die Gärung wesentlich langsamer vonstatten geht, wie in einem warmen Winter – und wir damit auch wieder den Jahrgang abbilden – und zum anderen, dass wir sehr lange Gärzeiten erreichen, da die Gärung in der Regel erst im Sommer des nächsten Jahres abgeschlossen ist. Lange Gärzeiten resultieren in der Regel in komplexeren und strukturierteren Weinen und unsere Art zu vergären scheint, wie wir inzwischen gelernt haben, diesen Effekt noch einmal zu verstärken.

Die Weinwerdung

In der Weinbereitung 2018 haben wir unsere Innovationsschraube noch einmal eine Umdrehung weitergedreht. Beim Orbel haben wir dabei aber nicht, wie beim Teufelskopf, mit gebrauchten Rotweinfässer experimentiert. Das hatten wir uns damals einfach noch nicht getraut. Allerdings haben wir – zusätzlich zum Versuch alle unsere fünf Einzellagen in jeweils einem 300 Liter HT (High Toast) Barrique auszubauen – zwei neue 225 l HT Barriques verwendet. Wir haben dazu auf Fässer unserer Haustonnellerie Hösch in Hackenheim bei Bad Kreuznach zurückgegriffen. Wir schätzten einfach die unaufgeregte Art dort, die mit hoher Fertigungspräsentation und extremer Qualität des eingesetzten Holzes verbunden ist. Für die 300 l Fässer haben wir ein Mondphasen-Holz aus Taunus-Eiche und für die 225 l Barriques Wiener Eiche verwendet. Taunus-Eiche passt vielleicht noch besser zu uns als Johanniskreuz (Pfälzer Eiche), aber wer weiß, vielleicht schlägt auch nur wieder unsere Affinität zum Rheingau durch. Zumindest haben wir hier beim Orbel mit den Barriques aus Wiener Eiche einen bewussten Kontrapunkt gesetzt – ein Tribut an die schwarze Wiener Seele von Herrn Dr. Frank – Wolfgang Ambros und sein Zentralfriedhof lassen grüßen.

Bei unserem Versuch mit den 300 l Barriques haben wir nach dem spontanen angären die „schlimme“ Aromahefe Exotic eingesetzt. Wenn bei dem einen oder anderen von Ihnen der Begriff „Simi White“ klingelt – ja genau da sind wir und vielleicht ist die Exotic noch ein wenig extremer. In Verbindung mit dem direkt, d. h. ohne Wässerung, oder andere Vorbehandlungen befüllten HT-Barrique, kann man sich auf jeden Fall nicht weiter von der gängigen Lehrmeinung, wie Riesling auszubauen wäre, entfernen, ohne den Pfad der Seriosität zu verlassen.

Für alle die, die meinen wir hätten jetzt mit der quietschig-vollfruchtig-bonbonartigen Weiße-Kuschelhäschen-Reinzuchthefe Exotic völlig den Verstand verloren, sei gesagt, dass Riesling in Grand Cru Dimension vieles wegsteckt. Selbst durch sehr schräge Vorgehensweisen kann eine Verbesserung entstehen – also nichts ist unmöglich – und hier haben wir ein komplett seriöses, wenngleich heftiges Ergebnis erzielt. Unser Barrique hat nämlich noch einen leichten biologischen Säureabbau durchlaufen und dadurch zusätzlich zur die Frucht betonenden Exotic auch noch einen leichten Anfall von Buttercremetorte. Aber vertrau mir sprach die Schlange zum Kaninchen: „That’s cool man“ und nachdem sich später noch deutliche Kaffeenoten hinzugesellt haben, waren wir vollständig zufrieden. So ein Fass kann man ob seiner extremen Ausprägung schon wieder solo abfüllen, aber wir haben das Fass dann doch für unsere finalen Assemblage gebraucht, die wir ohne dieses Fass zu stark geschwächt hätten.

Bei den anderen Fässern haben wir die „konventionelle“ Heiligenstein als Hefe, die inzwischen unsere Lieblingshefe geworden ist und die auch unter dem gestrengen Blick der reinen Lehre Gnade finden würde, sowie die Hefe AR2, eine der Lieblingshefen unseres leitenden Önologen Alf Ewald, verwendet. Für alle die, die es interessiert: Die Heilgenstein entwickelt eine Geschmackskomponenten als ob man einen heißen Ziegelstein bei 50 Grad Außentemperatur im Steilhang mit einem Krug Wasser übergießt. Eine ganz warme und harmonische, aber auch präzise, rotfarbene Mineralität. Die AR2 ist eine reduziert-aromatische Hefe, die neben der Frucht auch die Struktur der Weine betont. Die AR2-Gebinde sind in der finalen Assemblage speziell für die Komplexität wichtig.

Alles in allem sind wir mit den Ergebnissen unserer Experimente im Jahrgang 2018 sehr zufrieden, wenngleich es uns auch ein wenig traurig macht, da wir die Grenzen des sinnvoll Machbaren nun ausgelotet haben. Aber vielleicht fällt uns ja gemäß unseres Mottos „to boldy go, where no man has gone before“ noch etwas ein, was wir ausprobieren können.

Gestoppt haben wir unsere Gebinde zwischen Mai und Juli 2019. Die Gärzeit betrug damit zwischen sieben und neun Monaten.

Assemblage und Füllung

Die finale Assemblage unseres Orbels 2018 besteht aus 600 l Hösch Halbstück MT+ 2016 (unser Orbel-Halbstück, das wir in jedem Jahr mit Orbel befüllen), 500 l Quintessence Classic MT 2015 (unser Orbel-Tonneau, das wir anlässlich unseres Jungfernjahrgangs aus dem Orbel angeschafft haben) , 225 l Seguin Moreau 2012 (2 x vorbelegt mit Sauternes), 225 l Hösch 2016 (vorbelegt mit unserem Großen Känguru 2016), 2 x 225 l Hösch HT Wiener Eiche 2018 (Neu), 300 l Hösch Taunuseiche 2018 (Neu) und 450 l Stahltank. Wenn Sie jetzt hier, genauso wie beim Teufelskopf, anmerken, dass die Verwendung einer Stahltank-Komponente bei all dem Holz doch inkonsequent wäre, dann können wir Ihnen auch hier nicht widersprechen. Der profane Grund ist der gleiche: wir hatten aufgrund der Erntemenge in 2018 einfach kein zusätzliches Fass mehr frei.

Wir haben den Wein am 10.12.2019 abgefüllt und seitdem reift er in der Flasche. Mit dem Jahrgang 2018 habe wir unser Ziel erreicht, unsere Weine erst drei Jahre nach der Ernte auf den Markt zu bringen, also mit einem Jahr Fassreife und zwei weiteren Jahren Reife auf der Flasche. Speziell beim Jahrgang 2018 hat sich gezeigt, wie vorteilhaft dieses Vorgehen ist. Die Weine waren lange Zeit extrem verschlossen und beginnen sich erst seit einem halben Jahr ganz langsam zu öffnen.

Als Verschluss verwenden wir Naturkorken von Amorim, die mit der ND-Tech-Technologie, im Fertigungsprozess noch einmal mit einem Massenspektrometer auf TCA (Trichloranisol; also dem Stoff der den Korkschmecker verursacht) untersucht wird. Prinzipiell würden wir uns auch gerne dem Thema Schraubverschluss nähern, aber wir sind mit unserer Ausstattung mit Naturkork und Wachskapsel sehr zufrieden und irgendwie passt Grand Cru und der Ratsch beim Öffnen eines Schraubverschlusses nicht zusammen. Und glücklicherweise zeigen die ND-Tech-Korken auch einen großen Fortschritt in Sachen Korkquote.

Kapselfarbe

An der Farbe unserer Wachskapsel können Sie auch immer die jeweilige Einzellage erkennen. Unser Orbel trägt eine rote Wachskapsel in Pantone 185C, die wir intern als Cardinal Red bezeichnen. Allerdings sind wir mit dem Rot auf dem Orbel nicht mehr vollständig zufrieden, denn die Kapselfarbe soll auch den Charakter des Weines widerspiegeln und beim Orbel würden wir inzwischen eher ein saftiges, reifes Grün verwenden. Mal sehen, ob wir das Constitutional Green aus alten Zeiten wiederbeleben. Ein Tipp noch für die Eingeweihten: Sollten Sie diesen Wein irgendwo einmal finden, probieren Sie ihn. Very charaktervoll, aber um die Zahnhälse herum schäumt es ein wenig auf. Nur die Harten kommen in den Garten.

Produktionsmenge & Analysedaten

Abschließend noch die wichtigsten Daten:

Gesamtproduktion: 3.107 Flaschen

Alkohol: 13,2 %

Restzucker: 5,3 g/l

Säure: 6,2 g/l

Verkostungsnotiz

Am besten italienisch dekantieren. Intensives Stroh mit Altgoldreflexen. Kraftvolles, enorm burgundisches Bukett, das mit seinen Kamillenoten beinahe etwas an Coche-Dury erinnert. Höchst komplex und mit einer kristallinen Mineralität, die zwar zu Beginn nicht unbedingt salzig daherkommt, aber mit Belüftung immer mehr Salz entwickelt. Zeigt eigentlich keine Frucht. Im Untergrund komplettiert dann ein schöner weicher Nougattoast, der zwar spürbar da ist, aber den man kaum merkt und der mit viel Luft auch abnimmt, den Wein. Trotz aller Komplexität auch sehr harmonisch. Gewinnt mit viel Luft sogar noch weiter an Struktur. Das ist im Prinzip Burgund auf einem Niveau, das selbst in Burgund nur selten erreicht wird. Im Gegensatz zum Teufelskopf, der jetzt seinen Zustand während des Ausbaus wiederspiegelt, hatte der Orbel diese Aromatik im Fass nicht. Extrem faszinierend. Lässt auch am Gaumen nicht nach. Voller Körper, balancierte Säure, kaum merklicher Restzucker, hochkomplex und mineralisch. Vom Toast cremig geschliffen, obwohl der Wein vor Spannung nahezu birst. Hat die grünfarbige Grundcharakteristik des Orbels, die in diesem Jahr allerdings von chochigen Kamillenoten überlagert sind. Es ist mir ein Mirakel, wie es der Wein schafft seine hochkomplexe Burgunderstilistik aufrecht zu erhalten und gleichzeitig mit seinem Holz-Sahne-Untergrund zu spielen, den man dann noch nicht einmal wirklich wahrnimmt. Hat das viele Holz einfach perfekt integriert. Der 2017er Orbel ist zwar charaktervoller, aber der 2018er hat bereits jetzt schon eine außergewöhnliche Harmonie, wird trotz seiner bereits jetzt vorhandenen Größe wahrscheinlich noch besser werden und hat das Potenzial Perfektion zu erreichen. Noch ein Wort zur Säurestruktur. Die Säure ist genau im dem Maß vorhanden, das notwendig ist, um Komplexität und Struktur zu liefern, aber gleichzeitig auch sanft genug, um den Wein „bekömmlich“ zu machen. Das ist selten. Mit viel Luft bekommt der Wein sogar einen Hauch von Frucht, die etwas an Papaya und rosa Grapefruit erinnert. Ich denke, dass das der beste Orbel ist, den wir bisher gemacht haben und vielleicht ist es auch generell einer der besten Weine aus unserem Hause bisher. Geben Sie ihm noch ein wenig Zeit. 2023 – 2035+.

Robert Parker

Unser Jahrgang 2018 ist noch nicht in Robert Parker’s Wine Advocate bewertet. Wir werden die Bewertung umgehend einstellen, sobald sie uns vorliegt.

Der Orbel

Der Orbel ist eine sehr alte Grand Cru Lage in der Gemeinde Nierstein im deutschen Anbaugebiet Rheinhessen, die bereits im Jahre 1386 erstmals in den Gemeindechroniken erwähnt wurde. Im Gegensatz zum Hipping und zum Pettenthal, die eine Ostexposition aufweisen, ist der 11,9 Hektar große Orbel eine reine Südlage. Die zwischen 90 bis 170 Meter Seehöhe liegenden Parzellen weisen bis zu 60 % Hangneigung auf. Während der Weinberg in den unteren Gewannen eher eine moderate Steigung zeigt, nimmt die Inklination mit zunehmender Höhe kontinuierlich zu und ist im oberen Teil durchaus mit den Steilhängen im Pettenthal und Hipping vergleichbar.

Der Orbel ist der westlichste und am weitesten vom Rhein entfernte Teil des so genannten Roten Hanges innerhalb der Rheinfront, in einem Flügelsbachtal genannten Seitental nördlich der Straße von Nierstein nach Schwabsburg gelegen. Auch im Orbel ist der rote Schieferboden allgegenwärtig, allerdings nicht als blanker Schieferfels, sondern vielmehr als feiner Schieferschluff. Im unteren Teil kommt noch ein wenig toniger, leicht steiniger Lehm dazu.

Die Kombination aus Rotschieferboden und seiner Lage in einem rheinabgewandtem Seitental, macht diesen Weinberg einzigartig. Die Südexposition des Weinberges führt durch die lange und direkte Sonneneinstrahlung zu hohen Tagestemperaturen, während das Seitental in der Nacht wie eine Düse fungiert, durch die der Rhein die kühle Luft aus dem Umland ansaugt. Ein erhöhter Luftaustausch und deutlich kühlere Nachttemperaturen sind die Folge. Diese Verbindung aus warmen Tages- und kühlen Nachttemperaturen führt zu einer optimalen Aromenausprägung bei gleichzeitiger Konservierung der Säurestruktur durch eine verminderte Veratmung der Säure in den Trauben. Im Vergleich mit anderen Lagen weist der Orbel deshalb bei gleicher Reife immer eine leicht höhere, pikante Säure und ein exotisches Aromenspektrum auf. Die Weine gelten deshalb als die „Rheingauer“ vom Roten Hang.

Der Name leitet sich vom heimischen Dialektwort „Orbel“ ab, womit eine kräftige und temperamentvolle Person bezeichnet wird. Der Zusammenhang ergibt sich im rassigen und ausdrucksstarken Charakter des Orbelweins. Inzwischen haben wir mehr Erfahrung über die Lagencharakteristik des Orbel sammeln können und halten unseren exotischen und fetten Jahrgang 2015 für atypisch – wenngleich faszinierend. Während das Pettenthal mit Weinbergspfirsich auf den Punkt gebracht werden kann, der Hipping mit Kurkuma und der Ölberg mit Eleganz, würden wir beim Orbel inzwischen kühl und burgundisch mit einem Hauch exotischer Frucht sagen. Während sich unser Bild der Lagencharakteristik bei allen anderen Lagen klar gefestigt hat, ist es beim Orbel noch etwas im Fluss. Auch wenn er zu Unrecht im Schatten der bekannteren Grand Cru Lagen im Roten Hang steht, darf er deshalb keinesfalls unterschätzt werden. Er ist das Paradebeispiel eines Cool-Climate-Weines und könnte im Zuge der fortschreitenden Klimaerwärmung durchaus einmal den Spitzenplatz in der Hierarchie am Roten Hang einnehmen.

Der Jahrgang 2018

Das Jahr 2018 wird gerne als das mit dem Jahrhundertsommer tituliert – was nicht ganz falsch ist, obwohl wir das Jahr 2003 in dieser Hinsicht noch für ausgeprägter halten. Vielleicht sollten man Extreme meiden und nicht von einem Jahrhundertsommer sprechen – das Jahrhundert ist noch lang – sondern „nur“ von einem Jahr mit einem langen, wunderschönen Sommer, dem aus weinbautechnischer Sicht leider das Wasser gefehlt hat. Aber beginnen wir beim Jahrgang 2018 von vorne.

Trocken, sonnig und sehr warm

Während der Frühwinter noch relativ feucht war, begannen die Niederschläge bereits ab Februar 2018 unter ihr langjähriges Mittel abzutauchen. Einem extrem warmen Januar folgte ein kühler Februar und März. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir schon, dass wir eine späte Ernte bekommen würden, aber im April wurde es mit fünf Grad über dem langjährigen Mittel wieder sehr warm und die Natur explodierte förmlich. Der Austrieb erfolgte am 19. April 2018 noch einen Tag später als im 15-Jahres-Schnitt (18. April), aber das Wachstum der Rebstöcke danach war unglaublich. Selten haben wir in so kurzer Zeit solche Fortschritte gesehen. Beim Blühbeginn am 18. Mai 2018 notierten wir bereits einen Vorsprung von mehr als einer Woche zum 15-Jahres-Schnitt (6. Juni), der sich bis zum Erreichen der Erbsengröße am 13. Juni 2018 auf mehr als zwei Wochen ausgebaut hatte.

Auch wenn es danach immer sonniger wurde, stagnierte die Vegetation aufgrund der Wasserknappheit. Hätte es in dieser Zeit etwas mehr geregnet, könnten wir von einem idealen Jahr sprechen, so aber bereitete uns die Trockenheit immer mehr Kopfzerbrechen. Speziell unser Jungfeld im Ölberg lies deutlich die Ohren hängen und wir haben mit aller Gewalt versucht unsere Pinot Noir Ernte zu retten. Dies hat sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt, denn Mitte September haben wir die Trauben dann doch abgeschnitten und, wenn wir das früher gemacht hätten, hätten wir die Belastung der sehr jungen Reben deutlich reduziert. Dafür haben wir bei unseren andern Weinbergen alte, tiefwurzelnde Reben, die die Trockenheit wesentlich besser als erwartet weggesteckt haben.

Die Weinlese

Da sich ab Anfang September nicht mehr viel in den Weinbergen getan hat und auch weit und breit kein Regen in Sicht war, war die Bestimmung des optimalen Lesezeitpunktes keine wirkliche Herausforderung. Wir haben zwischen 24. September und 5. Oktober 2018 bei idealem Wetter gelesen. Die Menge war reichlich und die Qualität außergewöhnlich. Wir hätten gedacht, dass die Weine aufgrund der Trockenheit nicht besonders hoch im Extrakt wären – und nicht wenige Weine sind das auch – aber bei uns konnten wir bisher kein Defizit feststellen. Zwar sind, wie erwartet, die Säurewerte niedrig, aber – speziell im Gegensatz zum Jahr 2003 – ist die Säurebalance sehr gut, was uns alle sehr erleichtert. Die gärenden Moste sind extrem harmonisch, hocharomatisch und weisen teilweise ein Geschmacksprofil aus, das wir bisher überhaupt noch nicht auf der Zunge hatten.

Bei aller gebotenen Vorsicht kann man es nur als sensationell beschreiben. Insofern sind wir mit dem Jahrgang 2018 hochzufrieden, auch da er sich, wie wir erhofft hatten, auf der Flasche exzellent entwickelt.