Niersteiner Hipping Steilhang

Niersteiner Hipping Grosse Lage

Beim Niersteiner Hipping handelt es sich, neben dem Pettenthal, um die bekannteste und beste Einzellage in Rheinhessen. Sie erstreckt sich entlang des an dieser Stelle recht breiten Rheins und liegt im Grand-Cru-Gürtel im Roten Hang an der Rheinfront zwischen der Monopol-Lage Brudersberg und dem Ölberg. Der Hipping umfängt die Enklave Goldene Luft vollständig.

Der Hipping ist, wie das Pettenthal auch, ein Teil der Großlage Rehbach. Wir erwähnen dies hier nur deshalb, falls Sie sich über den Namen Rehbach wundern, der in großen Lettern mitten in den Weinbergen steht, wenn Sie von Nackenheim aus nach Nierstein im Süden fahren. Ansonsten halten wir eine Großlage für einen schlimmen aus dem Weingesetz von 1971 stammenden Anachronismus und aufgrund des ähnlich klingenden Namens zu Grosser Lage (Grand Cru) für die Erzeugung von Premiumweinen außerordentlich kontraproduktiv.

Die nach Südosten ausgerichteten Weinberge umfassen 23 Hektar Rebfläche und liegen zwischen 80 bis 175 Meter Seehöhe. Die Hangneigung beträgt bis zu 120 % (50 Grad), was bedeutet dass der Hipping in seinen steilsten Stücken nur noch von Hand oder mit der Raupe zu bewirtschaften ist.

Die Weinlage Hipping am Roten Hang

Die Böden bestehen aus rotem, stark verwittertem Tonschiefer (Rotliegendem) mit geringer Bodenauflage und einem Untergrund aus Kalkstein. Durch die Exposition nach Südost profitiert der Hipping besonders von der einfallenden Morgensonne. In Kombination mit der Wärme des an dieser Stelle seeartig erweiterten Rheins führt dies zu einem einzigartigen Mikroklima.

Die Krönung von Königin Elisabeth II. am 2. Juni 1953 wurde mit einem Riesling von Franz Karl Schmitt aus dem Hipping gefeiert – ja, ja, das englische Königshaus trägt viel deutsches Blut in sich. Ein 2012er Hipping Riesling des Weinguts Klaus Peter Keller, das genau 2010 die Parzelle im Hipping erworben hatte, wurde daher der offizielle Wein zum 60-jährigen Thronjubiläum, das die Königin 2012 beging.

Über die Bedeutung des Namens gibt es mehrere unterschiedliche Versionen, da es in der Vergangenheit verschiedene Schreibweisen wie zum Beispiel Hüppingen, Hoppeling, Huppbuhl und Hüttebühl gab. Der um 1550 gebrauchte Name Hupbuhl oder Huppbuhl deutet darauf hin, dass es sich um einen Ziegenhügel gehandelt haben könnte, da Hippe mittelhochdeutsch Ziege und Buhl Hügel bedeutet. Eine andere Bedeutung von Hippe ist Rebmesser und die Reihe weiterer Deutungen ist vielfältig.

Auch wenn Hipping und Pettenthal nahe beisammen liegen, sind sie durch das Seitental, in dem der Brudersberg in Südexposition liegt, getrennt und in der Charakteristik der Weine doch erstaunlich unterschiedlich. Auf höchstem Konzentrationsniveau, das die Weine aus beiden Lagen erreichen, tendiert der Pettenthal zu Weinbergspfirsich, während sich der Hipping immer gelbfarbig mit deutlichen Gewürznoten nach Kurkuma und einer gewissen Exotik präsentiert.

Da wir beide Lagen auf absoluter Augenhöhe sehen, können wir nicht nachvollziehen, warum üblicherweise das Pettenthal von den beiden Lagen bevorzugt wird. Wir müssen gestehen, dass uns in dem einen oder anderen Jahrgang der Hipping sogar besser gefällt. Beide Einzellagen gehören auf jeden Fall zu den allerbesten Lagen für den Anbau von Riesling weltweit – was auch ein Grund dafür ist, dass wir sind, wo wir sind, nämlich in Nierstein.