W. E. Frank, Orbel Grosse Lage Riesling 2015

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WeinpassDer Jungfernjahrgang aus unserem Orbel. Ein enorm kraftvoller Wein mit viel Frucht und Mineralität. Faszinierend.

Art.Nr: WF-15-4003
Alkoholgehalt

14,0 %

Geschmacksrichtung

trocken

Füllmenge

750 ml

Verschluss

Naturkork wachsversiegelt

Allergene

enthält Sulfite

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Verkostungsnotiz

Helles Altgold. Das Bukett hat eine enorme innere Dichte, eine schöne Süße und zeigt kaum merkliches Holz. Viel kandierte Frucht nach kandierter Grapefruit und kandierter Ananas, exotische Komponenten sowie kühle Aprikose im Untergrund. Gibt im Riedel-Bordeaux-Glas erst so richtig Gas, fächert auf und wird sehr komplex, strukturiert und tief. Anklänge an Blumenwiese und Gartenkräuter kommen hoch. Blütenhonig. Mit weiterer Belüftung frische reife Papaya, ein Hauch feinster Vanille und etwas Trüffel. Großes Kino. Bleibt dann am Gaumen brutalstmöglich am Gaspedal und entwickelt einen gaumensprengenden Druck. Voller Körper, eine nicht zu vernachlässigende jahrgangsbedingte Säuredosis – die Apfelsäure des Jahrgangs 2015 lässt grüßen – die sich aber inzwischen bestens eingebunden hat, durchaus etwas Restzucker, der allerdings von der Säure weggemäht wird, angenehme Bitternoten und wieder Grapefruit, Ananas und dazu etwas Maracuja. Im Untergrund lauert dann die Tropenfrucht des Orbels, aber noch verhindert die weiße Grapefruit(haut), dass sie das Tageslicht erblicken darf. Beeindruckende Länge. Erstaunlich ist, dass der Wein die durchaus nicht niedrige Holzdosis nahezu vollständig geschluckt hat. Er ist ganz anders, als man Riesling gewohnt ist und deshalb schwer fassbar. Der zwangsläufige No-Tech-Ansatz mit Stabulation bringt wohl Erstaunliches hervor. Was für ein geiles Fruchtkonzentrat! Man muss sehen, wo die Reise weiter hingeht. Erfahrungen mit solchen Weinen gibt es bisher keine. Spock würde sagen „faszinierend“.

Der Orbel

Der Orbel ist eine sehr alte Grand Cru Lage in der Gemeinde Nierstein im deutschen Anbaugebiet Rheinhessen, die bereits im Jahre 1386 erstmals in den Gemeindechroniken erwähnt wurde. Im Gegensatz zum Hipping und zum Pettenthal, die eine Ostexposition aufweisen, ist der 11,9 Hektar große Orbel eine reine Südlage. Die zwischen 90 bis 170 Meter Seehöhe liegenden Parzellen weisen bis zu 60 % Hangneigung auf. Während der Weinberg in den unteren Gewannen eher eine moderate Steigung zeigt, nimmt die Inklination mit zunehmender Höhe kontinuierlich zu und ist im oberen Teil durchaus mit den Steilhängen im Pettenthal und Hipping vergleichbar.

Der Orbel ist der westlichste und am weitesten vom Rhein entfernte Teil des so genannten Roten Hanges innerhalb der Rheinfront, in einem Flügelsbachtal genannten Seitental nördlich der Straße von Nierstein nach Schwabsburg gelegen. Auch im Orbel ist der rote Schieferboden allgegenwärtig, allerdings nicht als blanker Schieferfels, sondern vielmehr als feiner Schieferschluff. Im unteren Teil kommt noch ein wenig toniger, leicht steiniger Lehm dazu.

Die Kombination aus Rotschieferboden und seiner Lage in einem rheinabgewandtem Seitental, macht diesen Weinberg einzigartig. Die Südexposition des Weinberges führt durch die lange und direkte Sonneneinstrahlung zu hohen Tagestemperaturen, während das Seitental in der Nacht wie eine Düse fungiert, durch die der Rhein die kühle Luft aus dem Umland ansaugt. Ein erhöhter Luftaustausch und deutlich kühlere Nachttemperaturen sind die Folge. Diese Verbindung aus warmen Tages- und kühlen Nachttemperaturen führt zu einer optimalen Aromenausprägung bei gleichzeitiger Konservierung der Säurestruktur durch eine verminderte Veratmung der Säure in den Trauben. Im Vergleich mit anderen Lagen weist der Orbel deshalb bei gleicher Reife immer eine leicht höhere, pikante Säure und ein exotisches Aromenspektrum auf. Die Weine gelten deshalb als die „Rheingauer“ vom Roten Hang.

Der Name leitet sich vom heimischen Dialektwort „Orbel“ ab, womit eine kräftige und temperamentvolle Person bezeichnet wird. Der Zusammenhang ergibt sich im rassigen und ausdrucksstarken Charakter des Orbelweins. Inzwischen haben wir mehr Erfahrung über die Lagencharakteristik des Orbel sammeln können und halten unseren exotischen und fetten Jahrgang 2015 für atypisch – wenngleich faszinierend. Während das Pettenthal mit Weinbergspfirsich auf den Punkt gebracht werden kann, der Hipping mit Kurkuma und der Ölberg mit Eleganz, würden wir beim Orbel inzwischen kühl und burgundisch mit einem Hauch exotischer Frucht sagen. Während sich unser Bild der Lagencharakteristik bei allen anderen Lagen klar gefestigt hat, ist es beim Orbel noch etwas im Fluss. Auch wenn er zu Unrecht im Schatten der bekannteren Grand Cru Lagen im Roten Hang steht, darf er deshalb keinesfalls unterschätzt werden. Er ist das Paradebeispiel eines Cool-Climate-Weines und könnte im Zuge der fortschreitenden Klimaerwärmung durchaus einmal den Spitzenplatz in der Hierarchie am Roten Hang einnehmen.

Der Jahrgang 2015

Nach einem wolkenverhangenen, eher milden Winter, begann der Frühling mit durchschnittlichen Temperaturen, aber viel Sonnenschein, etwas später als erwartet. Der Sommer dagegen zog sehr früh ins Land und war – vor allem im Juni – sehr heiß und extrem trocken. Zur Erntezeit im Spätsommer hofften wir zwar vergeblich auf eine stabile Hochdruckwetterlage, es blieb jedoch sehr trocken und recht warm. Der Oktober zeigte sich dann bedeckt, aber wenig wechselhaft.

Bei uns war 2015 ein problemloses Jahr, das zu Weinen mit hoher physiologischer Reife, bei gleichzeitig markanter Säurestruktur, geführt hat. Da es sich um unseren ersten Jahrgang handelt, fehlt der interne Vergleich im Weingut. Generell gesehen kann 2015 jedoch – entsprechendes Wissen und Sorgfalt vorausgesetzt – als ein Jahrgang gelten, der selbst aus der Vielzahl der guten bis exzellenten Jahrgänge der letzten Jahre herausragt.