W. E. Frank, Hipping Grosse Lage Riesling 2017

 52,00

( 69,33 / 1 L)
Enthält 19% MwSt. zzgl. Versand
Lieferzeit: ca. 3-4 Werktage

WeinpassUnser zweiter Jahrgang aus dem Hipping ist mit seiner exotischen Stilistik und mit vielen gelben Gewürzen ein perfekter Vertreter seiner Lage. Wie im Jahrgang 2016 auf Augenhöhe mit dem Pettenthal .

Art.Nr: WF-17-4023
Gesamtproduktion

609 Flaschen

Alkoholgehalt

13,0 %

Füllmenge

750 ml

Geschmacksrichtung

trocken

Verschluss

Naturkork wachsversiegelt

Allergene

enthält Sulfite

Auszeichnung

91 Punkte Robert Parker's Wine Advocate

, , , , , ,

Verkostung

Gold mit sattem Strohanteil. Komplexes Bukett mit einer enormen inneren Dichte. Noch einmal ein anderes Intensitätsniveau als Orbel, Ölberg und Teufelskopf. Leicht rauchige Noten, ein wenig Holz, Kräuter, die leicht an Wisselbrunnen erinnern und Heu. Ist enorm cremig-schmelzig, aber nicht mit dem leichten BSA-Einfluss nach weißem Nougat und Karamell, wie im Teufelskopf und im Experiment. Am Gaumen sehr komplex, hochcremig und mit enormer Kraft. Voller Körper, ein wenig Restzucker, gute Säure, die in toller Balance zum Restzucker steht, Kräuternoten, ein wenig Kamille, gelbe Pflaume und ein gelbfarbiger Gewürzuntergrund nach Kurkuma. Hat Condrieu-Dimensionen, ohne barock zu sein. Schon verdammt beeindruckend.

Robert Parker

91 Points (The Wine Advocate End of January, 2020)

The 2017 Niersteiner Hipping Grosse Lage Riesling opens with a clear and aromatic bouquet of very ripe and warm yellow-fleshed fruit aromas but also delicate terroir notes of milled stones. Lush and intense on the palate, this is a full-bodied, pure and elegant yet rich and structured Hipping that combines its mouth-filling texture with finesse, salty purity and tart grip. This is a promising Riesling from a very warm vintage. It already drains well but should benefit from bottle age. 13% alcohol. 2020 – 2035. 609 bottles made. Tasted in November 2019.

Der Hipping

Beim Niersteiner Hipping handelt es sich, neben dem Pettenthal, um die bekannteste und beste Einzellage in Rheinhessen. Sie erstreckt sich entlang des an dieser Stelle recht breiten Rheins und liegt im Grand-Cru-Gürtel im Roten Hang an der Rheinfront zwischen der Monopol-Lage Brudersberg und dem Ölberg. Der Hipping umfängt die Enklave Goldene Luft vollständig

Der Hipping ist, wie das Pettenthal auch, ein Teil der Großlage Rehbach. Wir erwähnen dies hier nur deshalb, falls Sie sich über den Namen Rehbach wundern, der in großen Lettern mitten in den Weinbergen steht, wenn Sie von Nackenheim aus nach Nierstein im Süden fahren. Ansonsten halten wir eine Großlage für einen schlimmen aus dem Weingesetz von 1971 stammenden Anachronismus und aufgrund des ähnlich klingenden Namens zu Grosser Lage (Grand Cru) für die Erzeugung von Premiumweinen außerordentlich kontraproduktiv.

Die nach Südosten ausgerichteten Weinberge umfassen 23 Hektar Rebfläche und liegen zwischen 80 bis 175 Meter Seehöhe. Die Hangneigung beträgt bis zu 120 % (50 Grad), was bedeutet dass der Hipping in seinen steilsten Stücken nur noch von Hand oder mit der Raupe zu bewirtschaften ist.

Die Böden bestehen aus rotem, stark verwittertem Tonschiefer (Rotliegendem) mit geringer Bodenauflage und einem Untergrund aus Kalkstein. Durch die Exposition nach Südost profitiert der Hipping besonders von der einfallenden Morgensonne. In Kombination mit der Wärme des an dieser Stelle seeartig erweiterten Rheins führt dies zu einem einzigartigen Mikroklima.

Die Krönung von Königin Elisabeth II. am 2. Juni 1953 wurde mit einem Riesling von Franz Karl Schmitt aus dem Hipping gefeiert – ja, ja, das englische Königshaus trägt viel deutsches Blut in sich. Ein 2012er Hipping Riesling des Weinguts Klaus Peter Keller, das genau 2010 die Parzelle im Hipping erworben hatte, wurde daher der offizielle Wein zum 60-jährigen Thronjubiläum, das die Königin 2012 beging.

Über die Bedeutung des Namens gibt es mehrere unterschiedliche Versionen, da es in der Vergangenheit verschiedene Schreibweisen wie zum Beispiel Hüppingen, Hoppeling, Huppbuhl und Hüttebühl gab. Der um 1550 gebrauchte Name Hupbuhl oder Huppbuhl deutet darauf hin, dass es sich um einen Ziegenhügel gehandelt haben könnte, da Hippe mittelhochdeutsch Ziege und Buhl Hügel bedeutet. Eine andere Bedeutung von Hippe ist Rebmesser und die Reihe weiterer Deutungen ist vielfältig.

Auch wenn Hipping und Pettenthal nahe beisammen liegen, sind sie durch das Seitental, in dem der Brudersberg in Südexposition liegt, getrennt und in der Charakteristik der Weine doch erstaunlich unterschiedlich. Auf höchstem Konzentrationsniveau, das die Weine aus beiden Lagen erreichen, tendiert der Pettenthal zu Weinbergspfirsich, während sich der Hipping immer gelbfarbig mit deutlichen Gewürznoten nach Kurkuma und einer gewissen Exotik präsentiert. Da wir beide Lagen auf absoluter Augenhöhe sehen, können nicht nachvollziehen, warum üblicherweise das Pettenthal von den beiden Lagen bevorzugt wird und müssen gestehen, dass uns in dem einen oder anderen Jahrgang der Hipping sogar besser gefällt. Beide Einzellagen gehören auf jeden Fall zu den allerbesten Lagen für den Anbau von Riesling weltweit – was auch ein Grund dafür ist, dass wir sind, wo wir sind, nämlich in Nierstein.

Der Jahrgang 2017

Obwohl sich die Niederschlagsmenge im Jahr 2017 genau im langjährigen Mittel bewegte, begann der Winter sehr trocken. Bereits im Dezember 2016 fielen nur 20 % der normalen Niederschlagsmenge, im Januar und Februar 2017 weniger als die Hälfte und im April 2017 hat es gar nicht geregnet. Die Temperaturen dagegen meinten es gut und auf einen kühlen Januar, folgten ein sehr warmer Februar und ein noch wärmerer März, sodass der Austrieb am 09.04.2017 über ein Woche früher als im 15-Jahres-Schnitt (18. April) erfolgte. Mai und Juni waren ereignislos und obwohl die beiden Monate wärmer als gewöhnlich waren, konnte die Vegetation ihren Vorsprung nicht ganz halten. Beim Blühbeginn am 03.06.2017 betrug der Vorsprung zum 15-Jahresschnitt dann nur noch drei Tage. Dies ist wohl den weiterhin unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen geschuldet. Erst im regenreichen Juli und August konnte das Defizit wieder (etwas) aufgeholt werden.

Die Weinberge entwickelten sich problemlos und Mitte September waren die Mostgewichte schon bis auf an die 90 °Oe gestiegen. Obwohl manche Kollegen zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Ernte begannen, waren wir mit der physiologischen Reife noch nicht vollständig zufrieden und wollten noch etwas zuwarten. Leider trat dann ein Phänomen auf, das wir so auch noch nicht erlebt hatten. Es herrschte schönes Spätsommerwetter mit warmen, sonnigen Tagen und kühle Nächten – eigentlich ein ideales Wetter zum Ausreifen der Trauben – und trotzdem begann alles zu faulen. Vielleicht lag es an dem mit 40 mm doch großen Regenschauer am 13./14. September, aber genau wissen wir es nicht. Wir waren auf jeden Fall extrem konsterniert und standen vor einem großen Problem. Wir hatten kurz überlegt, sofort mit der Ernte zu beginnen, aber dies hätte zu Sicherheitsweinen mit maximal (sehr) guter Qualität geführt – was für uns als neues Weingut im Ultrapremiumbereich einfach zu wenig gewesen wäre. Insofern haben wir uns entschieden, egal wie herb die Ertragseinbußen auch immer werden würden – und sie waren dann wirklich verdammt schmerzhaft – auf maximale Qualität zu gehen und warteten mit unserer Ernte noch zu.

Trotz eines weiterhin trockenen Wetters trat in der Folge keine Besserung ein und wir mussten dann zwischen 02. und 14.10.2017 bei trübem und feuchtem, aber nicht besonders nassen Wetter in noch trüberer Stimmung ernten. Wir haben unsere Weinberge im roten Hang als letzte gelesen – unseren Hipping zum Beispiel fünf Wochen später als die Ersten – und die Geschichten über unsere faulen Weinberge sind legendär. Aber alle die, die zu dieser Zeit nur noch den Kopf geschüttelt haben – und es waren nicht wenige – tun dies, nachdem sie unsere Weine probiert haben, nun nicht mehr.

Für Kabinette und edelsüße Weine war 2017 sicher ein genialer Jahrgang – was Mosel und Saar eindrucksvoll zeigen – aber sonst ist der Jahrgang durchwachsen. Alle die, die früh geerntet haben, konnten klare, durchaus fruchtbetonte Weine einbringen, die es jedoch ein wenig an Körper und physiologischer Reife missen lassen. Dafür war die Erntemenge gut. Bei uns hat sich unser Hochrisikoansatz ausgezahlt und wir haben Konzentration, Struktur und Komplexität, aber nur 30 % des normalen Ertrags. Allerdings sind wir inzwischen ob der enormen Qualität unserer Weine – trotz der kaum vorhandenen Menge – mit dem Jahrgang 2017 sehr zufrieden. Man kann einfach nicht immer alles haben.