W. E. Frank, Ölberg Grosse Lage Riesling 2018

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WeinpassUnser dritter Jahrgang aus dem Ölberg. Hochelegant, kühl und tiefstrukturiert wie in den beiden Jahrgängen zuvor. Wir bleiben dabei: Audrey Hepburn in Givenchy.

Art.Nr: WF-18-4013
Gesamtproduktion

1.341 Flaschen

Alkoholgehalt

13,0 %

Füllmenge

750 ml

Geschmacksrichtung

trocken

Verschluss

Naturkork wachsversiegelt

Allergene

enthält Sulfite

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Der Ölberg ist unser elegantestes Grand Cru. Mit seinen violetten Sprenkeln und seiner tiefen, komplexen, salzig-mineralischen Grundstruktur erinnert er uns immer an Audrey Hepburn in Givenchy. Ein Paradebeispiel dafür ist der Jahrgang 2018, der in diesem Jahr zwar etwas leichter als der Orbel ausgefallen ist, dadurch aber noch eleganter und strukturierter wirkt. Wow!

Unsere Parzellen im Ölberg

Im Ölberg haben wir zwei Parzellen, den 1.711 qm großen Steilhang und das 1.652 qm große Kernstück im Gewann darunter. Der Katastername der beiden Parzellen ist Im oberen Auflangen. Die mittlere Hangneigung des Steilhangs beträgt 39,2 % und die des Kernstücks 20,6 %.

Den Steilhang haben wir in 2016 neu bestockt. Wir haben insgesamt 11 Zeilen angelegt, von denen wir 9-1/2 Zeilen mit Spätburgunder bepflanzt haben. Dazu haben wir die Klone 20-13 Gm und 20-19 Gm der Universität Geisenheim verwendet, die wir von der Rebschule Antes in Heppenheim bezogen haben. Für die 2-1/2 Zeilen Riesling haben wir den Mosel-Klon Weis 1 der Rebmanufaktur Weis in Leiwen eingesetzt.

Im Hitzejahr 2018 konnten wir leider keine Trauben aus dem Steilhang ernten. Wir wollten mit aller Gewalt eine Jungfernernte erzwingen, mussten aber schweren Herzens gegen Ende der langen Hitzewelle im Sommer alle Trauben herunterschneiden, um das Überleben der Junganlage zu sichern. Jetzt wissen wir, dass wir die Trauben schon viel früher hätten zurückschneiden sollen, denn von dem Stress, den wir dadurch in der Junganlage erzeugt haben, hat sie sich erst jetzt, im „feuchten“ Jahr 2021, wieder erholt. Es ist auch hier wie immer im Weinbau – mit der Brechstange geht gar nichts.

Die Reben in unserem Kernstück sind schon etwas älter. Die ebenfalls 11 Zeilen wurden 2010 neu bestockt. Leider können wir auch hier den Klon nicht mehr nachvollziehen.

Während unsere Parzelle im Orbel im unteren Gewann liegt, befinden sich unsere beiden Parzellen im Ölberg in den oberen beiden Gewannen. Das Mikroklima ist deshalb wärmer als im Orbel. Interessant ist, dass der Ölberg nach Süd-Süd-Ost ausgerichtet und trotzdem kühler ist, als die beiden reinen Ostlagen Hipping und Pettenthal. Es ist immer wieder lehrreich am Abend im Sommer auf der Ladefläche unseres Pick-ups vom Hipping rechts ins Tal in den Ölberg zu fahren und dann in den Orbel. Während es im Hipping herrlich warm ist, wird es zum Ölberg hin ein gutes Stück kühler und dann im Orbel schon fast kalt. Hier wird Weinbau im T-Shirt und kurzen Hosen körperlich spürbar.

Der Unterschied im Mikroklima bildet sich natürlich auch bei unseren Weinen ab und wir stellen bei unseren Kunden eine Pärchenbildung fest. Der eine Teil mag die „kühleren“ Orbel und Ölberg lieber und der andere Teil die wärmeren Hipping und Pettenthal. Wir können das sehr gut nachvollziehen, haben aber keine dezidierte Präferenz, welches Pärchen wir lieber mögen. In einem Jahrgang ist es so, in dem anderen umgekehrt. In der Literatur wird Pettenthal über Hipping und beide über Ölberg und Orbel gestellt, wahrscheinlich weil das Pettenthal am meisten Umpff liefert. Wir haben in jedem Jahrgang meist einen anderen Favoriten und selbst innerhalb unseres Teams ist er nicht immer der gleiche. Wir empfehlen Ihnen deshalb unbeeinflusst – am besten in einer verdeckten Verkostung – Ihre eigene Präferenz herauszufinden.

Die Lese

Wir haben unseren Ölberg am 29.09. und 01.10.2018, also etwa zwei Wochen vor der Zeit gelesen, zu dem die Ernte in dieser Parzelle normalerweise stattfindet. Dieser frühe Lesezeitpunkt ist dem Hitzejahr 2018 geschuldet.

In Jahrgang 2018 betrug das Mostgewicht im Ölberg 88,3 °Oe und die Säure 6,9 g/l. Das Weinsäure/Apfelsäureverhältnis betrug 3,18 d.h. es ist mehr als dreimal soviel „weiche“ Weinsäure als „harte“ Apfelsäure vorhanden. Das ist sehr gut für die Struktur und die Ausgewogenheit des Weines. Dieses unüblich hohe Verhältnis zeigt auch, wie schnell sich gegen Ende der Reifeperiode die Säure – und dabei speziell die Apfelsäure – abbaut. Während das Verhältnis beim früher gelesenen Orbel noch bei 2,0 lag, ist es hier beim Ölberg schon auf die genannten 3,18 gestiegen.

Im Gegensatz zu Teufelskopf und Orbel, hat der fertige Wein mit einer Gesamtsäure von 6,3 g/l etwas weniger Säure als die Mostanalyse ausweist. Dies ist allerdings erwartbar, da im Zuge der Weinbereitung immer ein Teil der Säure als Weinstein ausfällt. Normalerweise ist der Säureverlust auch höher. Mit 12,7 % hat der Ölberg wieder mehr Alkohol als er nach der Mostanalyse haben sollte. Auch hier haben wir natürlich nicht chaptalisiert und auch die Luzifizierung von 15 % (hochwissenschaftlich-önologische Erklärung: Luzifizierung = Verschnitt eines Weines mit Teufelskopf) liefert keine schlüssige Erklärung. Manchmal sind Analysewerte einfach mirakulös.

Die Gärung

Nachdem wir – wie bei uns üblich – den Most für ca. einen Monat, heruntergekühlt mit Trockeneis, bei ca. 3 °C auf die Stabulation gelegt haben, haben wir durch das Weglassen der Trockeneiszugabe die Gärung eingeleitet. Wir lassen die Weine dabei spontan angären und wenn sie anfangen zu böchsern, geben wir Reinzuchthefe dazu (zu den einzelnen Hefestämmen später mehr). Die Gärung selbst findet bei uns im Freien statt, d. h. unsere Fässer stehen während des kompletten Winters draußen. Das führt zum einen dazu, dass bei einem kalten Winter die Gärung wesentlich langsamer vonstatten geht, wie in einem warmen Winter – und wir damit auch wieder den Jahrgang abbilden – und zum anderen, dass wir sehr lange Gärzeiten erreichen, da die Gärung in der Regel erst im Sommer des nächsten Jahres abgeschlossen ist. Lange Gärzeiten resultieren in der Regel in komplexeren und strukturierteren Weinen und unsere Art zu vergären scheint, wie wir inzwischen gelernt haben, diesen Effekt noch einmal zu verstärken.

Die Weinwerdung

In der Weinbereitung 2018 haben wir unsere Innovationsschraube noch einmal eine Umdrehung weitergedreht. Beim Ölberg haben wir – analog zum Orbel – dabei aber nicht, wie beim Teufelskopf, mit gebrauchten Rotweinfässer experimentiert. Wir haben nur unseren Versuch, alle unsere fünf Einzellagen in jeweils einem 300 Liter HT (High Toast) Barrique auszubauen, durchgeführt. Mehr konnten wir auch nicht versuchen, da wir einen Teil des Orbels versektet haben und nicht genug Most für weitere Versuche vorhanden war.

Für den Versuch haben wir auf Fässer unserer Haustonnellerie Hösch in Hackenheim bei Bad Kreuznach zurückgegriffen. Wir schätzten einfach die unaufgeregte Art dort, die mit hoher Fertigungspräsentation und extremer Qualität des eingesetzten Holzes verbunden ist. Wir haben hierfür ein Mondphasen-Holz aus Taunus-Eiche ausgesucht, vielleicht weil Taunus-Eiche noch besser zu uns passt als Johanniskreuz (Pfälzer Eiche), aber vielleicht auch nur, weil hier wieder unsere Affinität zum Rheingau durchgeschlagen hat.

Bei unserem Versuch mit den 300 l Barriques haben wir nach dem spontanen angären die „schlimme“ Aromahefe Exotic eingesetzt. Wenn bei dem einen oder anderen von Ihnen der Begriff „Simi White“ klingelt – ja genau da sind wir und vielleicht ist die Exotic noch ein wenig extremer. In Verbindung mit dem direkt, d. h. ohne Wässerung, oder andere Vorbehandlungen befüllten HT-Barrique, kann man sich auf jeden Fall nicht weiter von der gängigen Lehrmeinung, wie Riesling auszubauen wäre, entfernen, ohne den Pfad der Seriosität zu verlassen.

Für alle die, die meinen wir hätten jetzt mit der quietschig-vollfruchtig-bonbonartigen Weiße-Kuschelhäschen-Reinzuchthefe Exotic völlig den Verstand verloren, sei gesagt, dass Riesling in Grand Cru Dimension vieles wegsteckt. Selbst durch sehr schräge Vorgehensweisen kann eine Verbesserung entstehen – also nichts ist unmöglich – und hier haben wir ein komplett seriöses, aber wiederum anderes Ergebnis als beim Teufelskopf und beim Orbel erreicht. Der Ölberg hat erstaunlich viel von dem neuen Holz geschluckt – es bleibt eigentlich nur eine spürbare, aber nicht dominante Menge von dem ankandierten, süßen Toast übrig, den die neuen Hösch-Barriques liefern – und zeigt dafür spürbare phenolische Noten und Plaka. Das ist kein Solo-Wein, aber sehr interessant und bestens für die finale Assemblage geeignet. Der Versuch hat sich durch die doch (sehr) unterschiedlichen Ergebnisse wirklich gelohnt.

Beim anderen Fass, unserem Hösch-Halbstück, haben wir dann die „konventionelle“ Heiligenstein als Hefe, die inzwischen unsere Lieblingshefe geworden ist und die auch unter dem gestrengen Blick der reinen Lehre Gnade finden würde, eingesetzt. Die Heilgenstein entwickelt eine Geschmackskomponenten als ob man einen heißen Ziegelstein bei 50 Grad Außentemperatur im Steilhang mit einem Krug Wasser übergießt. Eine ganz warme und harmonische, aber auch präzise, rotfarbene Mineralität. Sehr angenehm!

Alles in allem sind wir mit den Ergebnissen unserer Experimente im Jahrgang 2018 sehr zufrieden, wenngleich es uns auch ein wenig traurig macht, da wir die Grenzen des sinnvoll Machbaren nun ausgelotet haben. Aber vielleicht fällt uns ja gemäß unseres Mottos „to boldy go, where no man has gone before“ noch etwas ein, was wir ausprobieren können.

Gestoppt haben wir das Barrique im Juni und das Halbstück im Juli 2019. Die Gärzeit betrug damit acht bzw. neun Monate.

Assemblage und Füllung

Die finale Assemblage unseres Ölbergs 2018 besteht aus 600 l Hösch Halbstück MT+ 2016 (unser Ölberg-Halbstück, das wir in jedem Jahr mit Ölberg befüllen) und dem 300 l Hösch Taunuseiche HT 2018 (Neu). Eine Stahltank-Komponente haben wir bei Ölberg nicht verwendet – die haben wir versektet.

Wir haben den Wein am 10.12.2019 abgefüllt und seitdem reift er in der Flasche. Mit dem Jahrgang 2018 habe wir unser Ziel erreicht, unsere Weine erst drei Jahre nach der Ernte auf den Markt zu bringen, also mit einem Jahr Fassreife und zwei weiteren Jahren Reife auf der Flasche. Speziell beim Jahrgang 2018 hat sich gezeigt, wie vorteilhaft dieses Vorgehen ist. Die Weine waren lange Zeit extrem verschlossen und beginnen sich erst seit einem halben Jahr ganz langsam zu öffnen.

Als Verschluss verwenden wir Naturkorken von Amorim, die mit der ND-Tech-Technologie, im Fertigungsprozess noch einmal mit einem Massenspektrometer auf TCA (Trichloranisol; also dem Stoff der den Korkschmecker verursacht) untersucht wird. Prinzipiell würden wir uns auch gerne dem Thema Schraubverschluss nähern, aber wir sind mit unserer Ausstattung mit Naturkork und Wachskapsel sehr zufrieden und irgendwie passt Grand Cru und der Ratsch beim Öffnen eines Schraubverschlusses nicht zusammen. Und glücklicherweise zeigen die ND-Tech-Korken auch einen großen Fortschritt in Sachen Korkquote.

Kapselfarbe

An der Farbe unserer Wachskapsel können Sie auch immer die jeweilige Einzellage erkennen. Unser Ölberg trägt eine Wachskapsel in Pink (Pantone 211C), die wir intern als Estate Pink bezeichnen. Wir verwenden diese Farbe auch für den W.-E.-Frank-Schriftzug auf dem Etikett und auf all unserer Geschäftsausstattung. Das Pink ist, zusammen mit Grau, unsere Firmenfarbe und glauben Sie uns – nachdem wir bei der Festlegung unserer Corporate Identity sehr, sehr viel Zeit mit Farbgestaltung verbracht haben, wissen wir auch sehr genau, warum die deutsche Telekom in Magenta und Grau auftritt. Ein besseres Zusammenspiel zweier Farben haben wir nicht gefunden. Und bitte nehmen Sie vom Vorwurf Abstand, wir hätten die Farbgestaltung geklaut. Es gibt einfach gelegentlich den Fall, dass man nach sehr viel Arbeit zu dem Ergebnis kommt, dass man etwas einfach nicht verbessern kann und übernehmen muss.

Speziell mit der Ausstattung des Ölbergs sind wir  höchst zufrieden, da wir finden, dass der Ölberg im Zusammenspiel von Kapsel und Etikett unsere schönste Flasche darstellt, aber auch, weil die Kapselfarbe aufs vortrefflichste den Charakter des Weines widerspiegelt. Der Ölberg ist von seiner hohen Eleganz getragen und hat einfach in jedem Jahrgang violette Sprenkel. Wir wissen zwar, dass eine Farbzuordnung zum Geschmack eines Weines sehr individuell ausfallen kann, aber wir haben inzwischen wirklich viel Ölberg verkostet und das Pink ist immer wieder die Farbe, die wir ohne zu zögern und ohne weitere Überlegungen oder gar Zweifel nehmen würden.

Produktionsmenge & Analysedaten

Abschließend noch die wichtigsten Daten:

Gesamtproduktion: 1.341 Flaschen

Alkohol: 12,7 g/l

Restzucker: 4,4 g/l

Säure: 6,3 g/l

Verkostung

Am besten italienisch dekantieren. Helles Gold mit Strohreflexen. Zu Beginn etwas stumm und mit einem Hauch Alkohol, groovt sich das Bukett dann im Glas gewaltig ein, kommt aber nicht ganz an den Orbel heran. Zeigt aber eine hohe Mineralität und auch Komplexität. Harmonisch, dezente Kräuternoten, ein Hauch Kamille, cremige Noten und ein wenig Buttercreme über einem zurückhaltenden Holzuntergrund. Eine zu Beginn vorhandene Minispur von (Brat-)Apfel zieht sich mit Belüftung an die Wahrnehmbarkeitsschwelle zurück. Ebenfalls ohne spürbare Frucht. Mit viel Luft kämpft sich der Ölberg an die Oberfläche, nimmt dabei etwas Salz mit und entwickelt die für den Ölberg so typischen violetten Tupfen. Am Gaumen wirkt der Ölberg etwas leichter als der Orbel, hat aber immer noch gewaltig Dampf. Voller Körper, balancierte Säure, kaum merkliche Restsüße, ein wenig süßer Alkohol, der mit Luft weniger wird und etwas Hösch-Toast. Der Wein hat so viel Balance, dass man überhaupt keine Restsüße auf der Zunge merkt, obwohl wir natürlich einen Hauch Zucker stehengelassen haben. Bekommt enormen Schmelz im Abgang und hat auch eine extreme Länge. Mit viel Luft erscheinen auch am Gaumen die typischen violetten Ölberg-Tupfer, der Wein wird sehr klar und das Holz / die Cremigkeit tritt in den Hintergrund. Präzision ersetzt dann den natürlich immer noch ausreichend vorhandenen Schmelz. Und an Eleganz mangelt es dem Wein natürlich auch nicht. Wie immer ein ganz ausgezeichneter Ölberg, der von weiterer Reife sicherlich profitieren wird. 2023 – 2035+.

Robert Parker

89+? Points (The Wine Advocate Issue 264, Dec. 30th, 2022)

„Still widely unknown, this is one of the stellar producers in Rheinhessen.“

Da wir den Wein auf Augenhöhe mit unseren anderen Grossen Lagen des Jahrgangs 2018 sehen, gehen wir davon aus, dass die Verkostungsflasche – wie Stephan Reinhardt auch schreibt – wahrscheinlich einen schleichenden Kork gehabt hat.

The Niersteiner Riesling 2018 Ölberg Grosse Lage is clear, pure and intensely fruity in the elegant and aromatic nose that intermingles ripe stone fruit aromas with notes of crushed stones. On the palate, this is a vivacious classic with a stunningly coolish expression. The wine is leaner than the per se cooler Orbel and, accordingly, is less rich and full-bodied, which is also due to vibrantly fresh (yet fine) acidity. Aged in 300- and 600-liter oak barrels for eight and nine months, respectively, this is a refreshing and savory Riesling classic from a red slope. The 2018 is tight and crisp but maybe less complex compared to the other Nierstein grands crus. It’s a lean and coolish dry Riesling with grip and tension yet less hedonistic features. There’s something joyless and overly ascetic about this Ölberg, whose very citrusy and astringent finish is quite demanding and phenolic and currently offers little pleasure. I wonder if it’s the cork? Unfortunately, I did not have a second bottle at hand. 1,341 bottles were filled in December this year. 12.7% stated alcohol. Natural cork stopper. Tasted in December 2022.

In the Ölberg, Frank works two parcels oriented south-southeast: the 1,711-square-meter steep slope and the 1,652-square-meter core parcel in the Gewann below. The cadastral name of the two parcels is „Im oberen Auflangen.“ The average slope of the steep slope is 39.2% and that of the core plot is 20.6%. The steep slope was replanted in 2016, the other in 2010. Of the total of 11 rows in the steep slope, 9.5 rows were planted with Pinot Noir, the remaining 1.5 rows with Riesling (Mosel clone Weis 1).

Der Ölberg

Der Niersteiner Ölberg ist ein Teil des so genannten Roten Hangs innerhalb der Rheinfront und ist Teil des Grand-Cru-Gürtels, der mit dem Nackenheimer Rothenberg im Norden beginnt und mit dem Orbel im Westen endet. Er steht etwas im Schatten von Hipping und Pettenthal, hat jedoch im Unterschied zu diesen nach Osten ausgerichteten Lagen, eine Süd- bis Süd-Süd-Ost-Exposition. Er liegt oberhalb der Gemeinde Nierstein in einem Flügelsbachtal genannten Seitental, das zum Rhein hin nach Osten abfällt. Die Weinberge, die in 90 bis 170 Meter Seehöhe liegen, umfassen 48 Hektar Rebfläche, die in 15 alte Gewanne (Parzellen) aufgeteilt sind; eines davon heißt Hindenburgterrasse. Die Hangneigung variiert stark. Parzellen mit moderaten 10% wechseln sich mit immer steileren ab und erreichen in den Steilhängen eine Neigung von bis zu 120% (50 Grad). Diese Gewanne gehören zu den steilsten Weinlagen überhaupt.

Die Böden bestehen aus dem typischen Rotliegenden, dem der Rote Hang auch seinen Namen verdankt. Es handelt sich dabei um eisenoxidhaltigen, regionaltypisch und landschaftsprägend rot leuchtenden Tonschiefer, in Kombination mit Sandstein mit hohem Skelettanteil und Beimengungen von Feinerde und tonigem Lehm. Die Struktur ist zum Teil stark zerklüftet, was den Reben ein tiefes Wurzeln ermöglicht. Durch die Südorientierung und die Steilheit profitiert der Ölberg von der intensiven Sonneneinstrahlung, ist aber zuweilen stärkeren Winden ausgesetzt. Weiterhin ist der Ölberg in den unteren Gewannen auch von dem vom Orbel her bekannten Düseneffekt beeinflusst, der allerdings hier im Vergleich zum Orbel deutlich geringer ausfällt. Das Seitental fungiert bei diesem Effekt in der Nacht wie eine Düse, durch die der Rhein die kühle Luft aus dem Umland ansaugt. Ein erhöhter Luftaustausch und deutlich kühlere Nachttemperaturen sind die Folge. Diese Verbindung aus warmen Tages- und kühlen Nachttemperaturen führt zu einer optimalen Aromenausprägung bei gleichzeitiger Konservierung der Säurestruktur durch eine verminderte Veratmung der Säure in den Trauben.

Die wahrscheinlichste Erklärung für den Namen Ölberg ist die Ableitung von einem früheren Kloster. Wie viele andere Lagennamen auch, hätte er dann einen biblischen Ursprung. Nach einer anderen Version könnten hier früher Ölfrüchte wie Hanf, Mohn oder Raps angebaut worden sein. Eine weitere Erklärung geht dahin, dass der der Ölberg seinen Namen wegen der öligen Konsistenz der hier entstehenden Weine erhalten hat.

Wir können noch nicht abschließend beurteilen, ob die Weine aus dem Ölberg besonders ölig sind, sie schillern sensorisch nur wie ein Öltropfen in allen Farben des Regenbogens. Im Vergleich zu vielen anderen Weinen sind sie auf jeden Fall dichter und cremiger, aber im Vergleich zu den Weinen aus dem Hipping und dem Pettenthal sind sie leichter und zeigen mehr Eleganz und Finesse. Leider entzieht sich das Geschmacksprofil eines typischen Ölbergs zurzeit noch unserer Beurteilung. Das einzige, was uns immer dazu einfällt ist „allerhöchste Eleganz“ – Micheal Broadbent hätte vielleicht Audrey Hepburn in Givenchy gesagt – bei einer weiteren Auflösung scheitern wir dann aber kläglich. Wir hoffen hier auf weitere Hinweise, sobald unser Jungfeld im Steilhang in 2019 in den Ertrag kommt. Hier haben wir auch einen Teil mit Pinot Noir bepflanzt, auf den wir uns ganz besonders freuen.

Der Jahrgang 2018

Das Jahr 2018 wird gerne als das mit dem Jahrhundertsommer tituliert – was nicht ganz falsch ist, obwohl wir das Jahr 2003 in dieser Hinsicht noch für ausgeprägter halten. Vielleicht sollten man Extreme meiden und nicht von einem Jahrhundertsommer sprechen – das Jahrhundert ist noch lang – sondern „nur“ von einem Jahr mit einem langen, wunderschönen Sommer, dem aus weinbautechnischer Sicht leider das Wasser gefehlt hat. Aber beginnen wir beim Jahrgang 2018 von vorne.

Trocken, sonnig und sehr warm

Während der Frühwinter noch relativ feucht war, begannen die Niederschläge bereits ab Februar 2018 unter ihr langjähriges Mittel abzutauchen. Einem extrem warmen Januar folgte ein kühler Februar und März. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir schon, dass wir eine späte Ernte bekommen würden, aber im April wurde es mit fünf Grad über dem langjährigen Mittel wieder sehr warm und die Natur explodierte förmlich. Der Austrieb erfolgte am 19. April 2018 noch einen Tag später als im 15-Jahres-Schnitt (18. April), aber das Wachstum der Rebstöcke danach war unglaublich. Selten haben wir in so kurzer Zeit solche Fortschritte gesehen. Beim Blühbeginn am 18. Mai 2018 notierten wir bereits einen Vorsprung von mehr als einer Woche zum 15-Jahres-Schnitt (6. Juni), der sich bis zum Erreichen der Erbsengröße am 13. Juni 2018 auf mehr als zwei Wochen ausgebaut hatte.

Auch wenn es danach immer sonniger wurde, stagnierte die Vegetation aufgrund der Wasserknappheit. Hätte es in dieser Zeit etwas mehr geregnet, könnten wir von einem idealen Jahr sprechen, so aber bereitete uns die Trockenheit immer mehr Kopfzerbrechen. Speziell unser Jungfeld im Ölberg lies deutlich die Ohren hängen und wir haben mit aller Gewalt versucht unsere Pinot Noir Ernte zu retten. Dies hat sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt, denn Mitte September haben wir die Trauben dann doch abgeschnitten und, wenn wir das früher gemacht hätten, hätten wir die Belastung der sehr jungen Reben deutlich reduziert. Dafür haben wir bei unseren andern Weinbergen alte, tiefwurzelnde Reben, die die Trockenheit wesentlich besser als erwartet weggesteckt haben.

Die Weinlese

Da sich ab Anfang September nicht mehr viel in den Weinbergen getan hat und auch weit und breit kein Regen in Sicht war, war die Bestimmung des optimalen Lesezeitpunktes keine wirkliche Herausforderung. Wir haben zwischen 24. September und 5. Oktober 2018 bei idealem Wetter gelesen. Die Menge war reichlich und die Qualität außergewöhnlich. Wir hätten gedacht, dass die Weine aufgrund der Trockenheit nicht besonders hoch im Extrakt wären – und nicht wenige Weine sind das auch – aber bei uns konnten wir bisher kein Defizit feststellen. Zwar sind, wie erwartet, die Säurewerte niedrig, aber – speziell im Gegensatz zum Jahr 2003 – ist die Säurebalance sehr gut, was uns alle sehr erleichtert. Die gärenden Moste sind extrem harmonisch, hocharomatisch und weisen teilweise ein Geschmacksprofil aus, das wir bisher überhaupt noch nicht auf der Zunge hatten.

Bei aller gebotenen Vorsicht kann man es nur als sensationell beschreiben. Insofern sind wir mit dem Jahrgang 2018 hochzufrieden, auch da er sich, wie wir erhofft hatten, auf der Flasche exzellent entwickelt.