W. E. Frank, Ludwigshöher Teufelskopf Erste Lage Riesling 2018

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WeinpassDer Jahrgang 2018 kommt unserem Premier Cru Ludwigshöher Teufelskopf sehr entgegen. Er ist noch harmonischer als die beiden vorangegangenen Jahrgänge. Ein Wein aus einem der am meisten unterschätzen Weinberge in Deutschland.

Art.Nr: WF-18-3003
Gesamtproduktion

3.419 Flaschen

Alkoholgehalt

13,0 %

Geschmacksrichtung

trocken

Füllmenge

750 ml

Verschluss

Naturkork wachsversiegelt

Allergene

enthält Sulfite

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Der Ludwigshöher Teufelskopf ist einer unserer leckersten Weine. Mit viel Umami, extremer Balance und Harmonie, verbunden mit einem enormen Trinkfluss, erinnert er uns an eine schimmernde Zuckerkugel. Wir stufen die Lage als Erste Lage ein, obwohl er das Zeug zum Grand Cru hat. Da der Weinberg jedoch zurzeit nur einigen „Eingeweihten“ bekannt ist, wollen wir erst mit einigen Jahrgängen beweisen, wie gut er wirklich ist, bevor wir ihn zur Grossen Lage hochstufen.

Unsere Parzelle im Teufelskopf

Unsere Parzelle im Teufelskopf hat eine Größe von 7.050 qm, die mittlere Hangneigung beträgt 21,2 %. Sie ist im Jahr 1976 mit zwei verschiedenen Klonen bepflanzt worden, von denen wir leider nicht mehr nachvollziehen können, um welche es sich genau handelt. Ausgezeichnet sind sie auf jeden Fall beide.

Der von uns sogenannte Nordblock, also die rheinabwärts nach Nierstein gewandte Parzelle, hat mit ihren 18 Zeilen eine Größe von 2.427 qm und der Südblock, also die rheinaufwärts nach Worms gewandte Parzelle mit ihren 37 Zeilen, eine Größe von 4.623 qm. Die Weine aus dem Nordblock sind immer reifer, weicher und höher im Mostgewicht als die aus dem Südblock, wobei selbst die Mostgewichte aus dem Südblock tendenziell höher als die aus unseren Niersteiner Lagen sind. Vereinfacht gesprochen liefert also der Nordblock Reife und Cremigkeit, während der Südblock für Säure und Struktur zuständig ist.

Die Lese

Wir haben unseren Teufelskopf vom 25. – 29.09.2018, also etwa zwei Wochen vor der Zeit gelesen, zu dem die Ernte in dieser Parzelle normalerweise stattfindet. Dieser frühe Lesezeitpunkt ist dem Hitzejahr 2018 geschuldet.

In Jahrgang 2018 betrug das Mostgewicht im Nordblock 98,5 °Oe (vgl. 92,7 °Oe im Südblock) und die Säure 4,0 g/l (vgl. 5,8 g/l). Das Weinsäure/Apfelsäureverhältnis betrug 2,59 (vgl. 2,20), d.h. es ist mehr als doppelt soviel „weiche“ Weinsäure als „harte“ Apfelsäure vorhanden. Das ist sehr gut für die Struktur und die Ausgewogenheit des Weines.

2018 geht beim Teufelskopf vielleicht auch als das Jahr der wundersamen Säurevermehrung in die Annalen ein, denn der fertige Wein hat eine Gesamtsäure von 6,6 g/l. Wie das zustande kommt, wissen wir leider noch nicht. Wir befürchten, dass unser Grapescan nicht so genau ist, wie er sein sollte, doch diese Abweichungen wären erheblich. Aber sei es, wie es sei, die 6,6 g/l im fertigen Wein gefallen uns deutlich besser als die 4,0 g/l im Nordblock und stimmen auch mit der sensorischen Beurteilung überein. Das Jahr 2018 ist damit deutlich anderes als 2003, in dem Säurewerte mit einer vier vor dem Komma die Regel waren.

Die Gärung

Nachdem wir – wie bei uns üblich – den Most für ca. einen Monat, heruntergekühlt mit Trockeneis, bei ca. 3 °C auf die Stabulation gelegt haben, haben wir durch das Weglassen der Trockeneiszugabe die Gärung eingeleitet. Wir lassen die Weine dabei spontan angären und wenn sie anfangen zu böchsern, geben wir Reinzuchthefe dazu (zu den einzelnen Hefestämmen später mehr). Die Gärung selbst findet bei uns im Freien statt, d. h. unsere Fässer stehen während des kompletten Winters draußen. Das führt zum einen dazu, dass bei einem kalten Winter die Gärung wesentlich langsamer vonstatten geht, wie in einem warmen Winter – und wir damit auch wieder den Jahrgang abbilden – und zum anderen, dass wir sehr lange Gärzeiten erreichen, da die Gärung in der Regel erst im Sommer des nächsten Jahres abgeschlossen ist. Lange Gärzeiten resultieren in der Regel in komplexeren und strukturierteren Weinen und unsere Art zu vergären scheint, wie wir inzwischen gelernt haben, diesen Effekt noch einmal zu verstärken.

Die Weinwerdung

In der Weinbereitung 2018 haben wir unsere Innovationsschraube noch einmal eine Umdrehung weitergedreht. Wir haben zum ersten Mal zwei gebrauchte Rotweinfässer verwendet, ein 500 l Tonneau, Vicard Prestige, aus 2011, das zweimal von Lenotti mit Amarone vorbelegt wurde und ein 400 l Damy Tradition aus 2013, zweimal mit Cotes du Rhone Rouge von Cave Tain l’Hermitage vorbelegt. Wir haben die Fässer ohne Vorbehandlung – also auch ohne Wässern – befüllt, um einfach einmal zu sehen, was passiert. Im schlimmsten Fall hätten wir einen leichten Rosé-Schimmer im Wein gehabt und einen Rosé de Blanc daraus gemacht. Aber eher unerwarteterweise – sollen wir hier sagen enttäuschend – haben die Fässer gar kein Farbe abgegeben. Der Wein hat aber vielleicht einen ganz kleinen Hauch Rotweinparfüm an den Wein abgegeben, aber vielleicht bilden wir uns das auch nur ein, weil man es von einem Rotweinfass erwartet. Auf jeden Fall sind wird mit dem Ergebnis aus den beiden Fässern außerordentlich zufrieden.

Weiterhin haben wir beschlossen in 2018 bei allen unseren fünf Einzellagen einen Versuch mit 300 Liter HT (High Toast) Barriques zu machen, die wir natürlich ohne Vorbehandlung befüllt haben und die wir, nach dem spontanen angären, auch mit einer „schlimmen“ Aromahefe, hier Exotic, vergoren haben. Wenn bei dem einen oder anderen der Begriff „Simi White“ klingelt – ja wir sind genau da und vielleicht ist die Exotic noch ein wenig extremer. Weiter kann man sich auf jeden Fall nicht mehr von der Lehrmeinung, wie man Riesling gefälligst auszubauen hat, entfernen, ohne den Pfad der Seriosität zu verlassen und einfach nur alberne und sinnlose Marketing-Gags zu produzieren.

Bei dem Fass haben wir auf unsere Haustonnellerie Hösch in Hackenheim bei Bad Kreuznach zurückgegriffen. Wir schätzten einfach die unaufgeregte Art dort, die mit hoher Fertigungspräsentation und extremer Qualität des eingesetzten Holzes verbunden ist. Für die Fässer haben wir ein Mondphasen-Holz aus Taunus-Eiche verwendet. Vielleicht passt es noch besser zu uns als Johanniskreuz (Pfälzer Eiche), aber wer weiß. Beide Wälder liegen auf jeden Fall nicht mehr als 100 km vom Weingut entfernt – lokaler geht es damit nicht – und wenn wir sagen, dass die Taunuseiche etwas besser zu uns passt, schlägt vielleicht auch nur wieder unsere Affinität zum Rheingau durch. Wir lehnen auch französische Eiche, die ja allgemein als der Rolls Royce unter den Weinfässern gilt, keineswegs ab, nur sind wir eben ein deutsches Weingut und wir denken, da sollten wir auch hauptsächlich deutsche Eiche verwenden. Romantisch – und wir sind ja im Kernland der deutschen Rhein-Romantik – ist sie allemal.

Für alle die, die meinen wir hätten jetzt mit der quietschig-vollfruchtig-bonbonartigen Weiße-Kuschelhäschen-Reinzuchthefe Exotic völlig den Verstand verloren, sei gesagt, dass Riesling in Grand Cru Dimension vieles wegsteckt. Selbst durch sehr schräge Vorgehensweisen kann eine Verbesserung entstehen – also nichts ist unmöglich – und hier haben wir ein komplett seriöses Ergebnis erzielt. Wir haben ein sehr exotisch-fruchtig-cremiges, holzbetontes Gebinde erhalten, das wir so nicht solo abfüllen würden, das aber mit seinen knapp 10 % Anteil in der finalen Assemblage extrem gut kommt und von dem wir auch der Meinung sind, dass er dem einen oder anderen von von Ihnen selbst solo besonders gut gefallen würde. Wenn Sie einmal in der Gegend sind und uns im Weingut besuchen kommen (aber bitte nur mit Voranmeldung), können Sie solche experimentellen Gebinde auch einmal aus dem Fass verkosten, damit Sie wissen, wovon wir reden.

Wir sind mit den Ergebnissen unserer Experimente sehr zufrieden, wenngleich es uns auch ein wenig traurig macht, da wir die Grenzen nun ausgelotet haben. Aber vielleicht fällt uns ja gemäß unseres Mottos „to boldy go, where no man has gone before“ noch etwas ein, was wir ausprobieren können.

Und außerdem! Bei den anderen Fässern haben wir die „konventionelle“ Heiligenstein als Hefe verwendet, die inzwischen unsere Lieblingshefe geworden ist und die auch unter dem gestrengen Blick der reinen Lehre Gnade finden würde. Für alle die, die es interessiert: Die Heilgenstein entwickelt eine Geschmackskomponenten als ob man einen heißen Ziegelstein bei 50 Grad Außentemperatur im Steilhang mit einem Krug Wasser übergießt. Eine ganz warme und harmonische, aber auch präzise, rotfarbene Mineralität.

Gestoppt haben wir unsere Gebinde zwischen Mai und Juli 2019. Die Gärzeit betrug damit zwischen sieben und neun Monaten.

Assemblage und Füllung

Die finale Assemblage unseres Teufelskopf 2018 besteht aus 600 l Hösch Halbstück MT+ 2016, 500 l Vicard Prestige 2011, 400 l Damy Tradition 2013, 300 l Hösch Taunuseiche 2018 (Neu) und 800 l Stahltank. Wenn Sie jetzt anmerken, dass die Verwendung einer Stahltank-Komponente bei all dem Holz doch inkonsequent wäre, dann können wir Ihnen nicht widersprechen. Profaner Grund ist, dass der Jahrgang 2018 sehr reichlich war und wir einfach kein Fass mehr frei hatten.

Wir haben den Wein am 10.12.2019 abgefüllt und seitdem reift er in der Flasche. Mit dem Jahrgang 2018 habe wir unser Ziel erreicht, unsere Weine erst drei Jahre nach der Ernte auf den Markt zu bringen, also mit einem Jahr Fassreife und zwei weiteren Jahren Reife auf der Flasche. Speziell beim Jahrgang 2018 hat sich gezeigt, wie vorteilhaft dieses Vorgehen ist. Die Weine waren lange Zeit extrem verschlossen und beginnen sich erst seit einem halben Jahr ganz langsam zu öffnen.

Als Verschluss verwenden wir Naturkorken von Amorim, die mit der ND-Tech-Technologie, im Fertigungsprozess noch einmal mit einem Massenspektrometer auf TCA (Trichloranisol; also dem Stoff der den Korkschmecker verursacht) untersucht wird. Prinzipiell würden wir uns auch gerne dem Thema Schraubverschluss nähern, aber wir sind mit unserer Ausstattung mit Naturkork und Wachskapsel sehr zufrieden und irgendwie passt Grand Cru und der Ratsch beim Öffnen eines Schraubverschlusses nicht zusammen. Und glücklicherweise zeigen die ND-Tech-Korken auch einen großen Fortschritt in Sachen Korkquote.

Kapselfarbe

An der Farbe unserer Wachskapsel können Sie auch immer die jeweilige Einzellage erkennen. Unser Teufelskopf trägt eine orange Wachskapsel in Pantone 1505C, die wir intern als Mystic Orange bezeichnen. Die Kapselfarbe soll den Charakter des Weines widerspiegeln und mit dem Orange sind wir sehr zufrieden. Orange ist Sonne, Wärme, Wohlbefinden und Harmonie, aber auch Transzendenz. Uns erinnert das Orange immer an die Auferstehung Christi im Isenheimer Altar, aber genauso gut kann es mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht werden. Wie auch immer, wir werden zu geeigneter Zeit mit einem Post zur Namensgebung auf dieses Thema zurückkommen.

Produktionsmenge & Analysedaten

Abschließend noch die wichtigsten Daten:

Gesamtproduktion: 3.419 Flaschen

Alkohol: 13,1 %

Restzucker: 6,1 g/l

Säure: 6,6 g/l

 

Verkostungsnotiz

Am besten italienisch dekantieren. Strohfarben. Kraftvolles, süßes, hochcremig Bukett mit viel Umami, süßem Holz, zarten Kräuternoten, Buttercremetorte sowie einem klein wenig Nougat und Ovomaltine. Extrem harmonisch, ohne auch nur annähernd langweilig zu sein. Eine Zuckerkugel. Mit viel Luft entwickelt sich ein Gewürzuntergrund mit dezenten Nussnoten. Am Gaumen durchbricht die gut balancierte Säure ein wenig die totale Harmonie – sonst wäre es auch zu viel des Guten. (Fast) voller Körper, zarte Restsüße, sehr cremig, viel Schmelz, Buttercremetorte und eine angenehme Spur süßer Alkohol, die sich aber erst mit viel Luft zeigt. Dann vielleicht auch ein ganz klein wenig Tropenfrucht. Der Abgang, in dem noch Gewürze auftauchen, mündet in einen Cremigkeitsschub, der ganz lange stehen bleibt. Beinahe so, als ob man eine Latte Macchiato schlürft. Mit viel Luft ist der Wein zwar nicht mehr ganz die Creme-/Umamibombe, aber strukturierter und dadurch eigentlich noch besser. Der Wein präsentiert sich jetzt so, wie er auch schon während seines Ausbaus war. Man merkt die Buttercremtorte, die von einem leichten biologischen Säureabbau kommt und er hat auch von allen Teufelsköpfen, die wir bisher gemacht haben, am meisten Holz, aber es ist unglaublich gut eingebunden. Wir wollten in diesem Jahr einfach den Teufelskopf-Schmelz/-Umami auf die Spitze treiben und die Essenz eines Teufelskopfes herausdestillieren. Ein unglaublich schöner Wein, der trotz all seines Wohlgeschmacks über viel Struktur verfügt. Geben Sie ihm noch ein bis zwei Jahre zur Entwicklung. 2022 – 2030+.

Robert Parker

Unser Jahrgang 2018 ist noch nicht in Robert Parker’s Wine Advocate bewertet. Wir werden die Bewertung umgehend einstellen, sobald sie uns vorliegt.

Der Teufelskopf

Der Ludwigshöher Teufelskopf ist im Reigen der großen Weinlagen in Rheinhessen zu Unrecht nahezu unbekannt. Dies liegt wohl daran, dass er nicht, wie viele seiner bekannteren Brüder, im Roten Hang liegt. Wir halten diese Einzellage auf jeden Fall für massiv unterschätzt und nur weil sie nicht Teil des Roten Hangs ist, bedeutet dies nicht, dass sich nicht ein genauer Blick auf diese Lage lohnen würde.

Der Teufelskopf umfasst 32 Hektar Rebfläche, die einen südwestlichen Bogen um die Gemeinde Ludwigshöhe bilden. Er ist Teil der Rheinfront. Gemäß der gängigen Definition beginnt die Rheinfront in Nackenheim und endet in Worms. Da es aber nach Alsheim nur noch das Wormser Liebfrauenstift und Kirchenstück als Rebflächen gibt und wir diese beiden Lagen, trotz ihrer unbestreitbaren Qualität, nicht zur Rheinfront zählen, sehen wir Alsheim als das südliche Ende der Rheinfront an. Die zur Rheinfront gehörigen Gemarkungen wären damit (von Norden nach Süden) Nackenheim, Nierstein, Oppenheim, Dienheim, Ludwigshöhe, Guntersblum und Alsheim. In einer engeren Definition kann man jedoch Ludwigshöhe als das südliche Ende der Rheinfront sehen, da hier der Rhein nach Südosten abbiegt und Guntersblum und Alsheim schon mehrere Kilometer vom Rhein entfernt liegen.

Die nach Osten ausgerichteten Weinberge weisen eine Hangneigung von 15 bis 25 % auf und erreichen im den nördlichen, an Dienheim angrenzenden Gewannen ihre höchste Qualität. Die Böden bestehen aus Löss, Kalkstein und sandigem Lehm.

Wir müssen uns allerdings an dieser Stelle etwas kurz halten, da wir noch an einer umfangreichen Beschreibung dieser Lage arbeiten, können Ihnen die Weine aus dem Teufelskopf jedoch ohne schlechtes Gewissen ans Herz legen. Sie zeichnen sich durch einen erstaunlichen Wohlgeschmack aus, den wir am ehesten mit Umami umschreiben können. Weitere Adjektive, die uns dazu einfallen, sind lecker und harmonisch. Wie auch beim Ölberg, können wir das Geschmacksprofil analytisch noch nicht weiter auflösen. Der Trinkfluss dieser Weine ist jedenfalls enorm.

Eine Einstufung als Erste Lage erscheint uns damit mehr als gerechtfertigt, speziell, da die Weine jahrgangsunabhängig immer eine vergleichbare Grundcharakteristik liefern, was die Grundvoraussetzung des Ausweises als Einzellage ist. Der VDP – Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter sieht dies übrigens genauso. Wir tendieren sogar dazu, den Teufelskopf in die Grand Cru Liga zu heben, aber das muss wohlbegründet sein und braucht noch einige zusätzliche Jahrgänge.

Der Jahrgang 2018

Das Jahr 2018 wird gerne als das mit dem Jahrhundertsommer tituliert – was nicht ganz falsch ist, obwohl wir das Jahr 2003 in dieser Hinsicht noch für ausgeprägter halten. Vielleicht sollten man Extreme meiden und nicht von einem Jahrhundertsommer sprechen – das Jahrhundert ist noch lang – sondern „nur“ von einem Jahr mit einem langen, wunderschönen Sommer, dem aus weinbautechnischer Sicht leider das Wasser gefehlt hat. Aber beginnen wir beim Jahrgang 2018 von vorne.

Trocken, sonnig und sehr warm

Während der Frühwinter noch relativ feucht war, begannen die Niederschläge bereits ab Februar 2018 unter ihr langjähriges Mittel abzutauchen. Einem extrem warmen Januar folgte ein kühler Februar und März. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir schon, dass wir eine späte Ernte bekommen würden, aber im April wurde es mit fünf Grad über dem langjährigen Mittel wieder sehr warm und die Natur explodierte förmlich. Der Austrieb erfolgte am 19. April 2018 noch einen Tag später als im 15-Jahres-Schnitt (18. April), aber das Wachstum der Rebstöcke danach war unglaublich. Selten haben wir in so kurzer Zeit solche Fortschritte gesehen. Beim Blühbeginn am 18. Mai 2018 notierten wir bereits einen Vorsprung von mehr als einer Woche zum 15-Jahres-Schnitt (6. Juni), der sich bis zum Erreichen der Erbsengröße am 13. Juni 2018 auf mehr als zwei Wochen ausgebaut hatte.

Auch wenn es danach immer sonniger wurde, stagnierte die Vegetation aufgrund der Wasserknappheit. Hätte es in dieser Zeit etwas mehr geregnet, könnten wir von einem idealen Jahr sprechen, so aber bereitete uns die Trockenheit immer mehr Kopfzerbrechen. Speziell unser Jungfeld im Ölberg lies deutlich die Ohren hängen und wir haben mit aller Gewalt versucht unsere Pinot Noir Ernte zu retten. Dies hat sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt, denn Mitte September haben wir die Trauben dann doch abgeschnitten und, wenn wir das früher gemacht hätten, hätten wir die Belastung der sehr jungen Reben deutlich reduziert. Dafür haben wir bei unseren andern Weinbergen alte, tiefwurzelnde Reben, die die Trockenheit wesentlich besser als erwartet weggesteckt haben.

Die Weinlese

Da sich ab Anfang September nicht mehr viel in den Weinbergen getan hat und auch weit und breit kein Regen in Sicht war, war die Bestimmung des optimalen Lesezeitpunktes keine wirkliche Herausforderung. Wir haben zwischen 24. September und 5. Oktober 2018 bei idealem Wetter gelesen. Die Menge war reichlich und die Qualität außergewöhnlich. Wir hätten gedacht, dass die Weine aufgrund der Trockenheit nicht besonders hoch im Extrakt wären – und nicht wenige Weine sind das auch – aber bei uns konnten wir bisher kein Defizit feststellen. Zwar sind, wie erwartet, die Säurewerte niedrig, aber – speziell im Gegensatz zum Jahr 2003 – ist die Säurebalance sehr gut, was uns alle sehr erleichtert. Die gärenden Moste sind extrem harmonisch, hocharomatisch und weisen teilweise ein Geschmacksprofil aus, das wir bisher überhaupt noch nicht auf der Zunge hatten.

Bei aller gebotenen Vorsicht kann man es nur als sensationell beschreiben. Insofern sind wir mit dem Jahrgang 2018 hochzufrieden, auch da er sich, wie wir erhofft hatten, auf der Flasche exzellent entwickelt.