W. E. Frank, Pettenthal Grosse Lage Riesling 2018

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WeinpassUnser vierter Jahrgang aus dem Pettenthal. Hohe Eleganz bei gleichzeitig enormer Kraft und Tiefe. So soll es sein.

94 Punkte The Wine Advocate Ausgabe 264, 30.12.2022

Art.Nr: WF-18-4033
Gesamtproduktion

3.419 Flaschen

Alkoholgehalt

13,0 %

Füllmenge

750 ml

Geschmacksrichtung

trocken

Verschluss

Naturkork wachsversiegelt

Allergene

enthält Sulfite

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Die Grand-Cru-Lage Pettenthal gehört zu den bekanntesten und besten Riesling-Lagen weltweit. Sie bietet ein Weinerlebnis, zu dem nur ein wahres Grand Cru in der Lage ist. In schon fast kitschige Noten eines saftigen Weinbergspfirsichs mischen sich Kräuter, Fruchtsüße und Opulenz, ohne dass es auch nur ein klein wenig an Struktur und Komplexität mangeln würde. Im Jahrgang 2018 war unser Pettenthal lange Zeit sehr verschlossen und liegt in der Entwicklung unserer fünf Einzellagen auch jetzt noch am weitesten zurück. Da wir aber wissen, welch exorbitante Mostqualität beim Pressen von der Kelter lief, freuen wir uns schon sehr, wenn der Wein dereinst richtig aufmacht. Ein Vin de Garde par excellence.

Unsere Parzellen im Pettenthal

Im Pettenthal haben wir zwei Parzellen, den 2.237 qm großen Steilhang und das 1.587 qm große Kernstück im Gewann darunter. Der Katastername der beiden Parzellen ist Floss. Die mittlere Hangneigung des Steilhangs beträgt 40,4 % und die des Kernstücks 23,8 %. Unseren Pettenthal finden Sie, wenn Sie vom Parkplatz an der Bundesstraße B9 in Richtung des großen Schildes Roter Hang schauen. Die Lagen befinden sich dann rechterhand knapp 100 m entfernt darunter.

Unser Steilhang besteht aus drei zusammenhängenden Flurstücken mit insgesamt 42 Zeilen. Die Reben wurden 1981 gepflanzt und haben inzwischen die 40 Jahre locker überschritten, ab denen man von Alten Reben sprechen sollte. Auch die Reben in unserem Kernstück mit seinen 15 Zeilen wurden 1981 gepflanzt.

Selbst wenn das Pettenthal – wie der Hipping – eine reine Ostlage ist, hat er dennoch ein warmes Mikroklima. Sie können dies selbst erfahren, wenn sie am Abend im Sommer vom Pettenthal, über den Hipping, rechts ins Tal in den Ölberg wandern und dann in unseren Orbel. Während es im Pettenthal und im Hipping herrlich warm ist, wird es zum Ölberg hin ein gutes Stück kühler und dann im Orbel schon fast kalt. Hier wird Weinbau im T-Shirt und kurzen Hosen körperlich spürbar.

Die Lese

In diesem Jahr haben wir den Steilhang im Pettenthal am 02.10. und das Kernstück am 03.10.2018 gelesen. Wie bei allen anderen unserer Parzellen auch, war dies, bedingt durch den Hitzejahrjahrgang 2018, zwei Wochen früher als normal.

Die Trauben aus dem Steilhang waren kleiner – auch im Vergleich mit unseren anderen Lagen – und der Most deutlich heller. Er gehörte mit zum Besten, das wir jemals von der Kelter probieren dürften. Selbst im Moststadium war hier der für das Pettenthal so typische Weinbergspfirsich spürbar.

Das Mostgewicht betrug im Steilhang 94,1 °Oe und im Kernstück 94,6 °Oe. Einen Unterschied zwischen Kernstück und Steilhang, wie im Hipping, sahen wir hier nicht. Wie auch im Hipping, hatte der Steilhang mit 5,1 g/l eine höhere Säure als das Kernstück mit 4,6 g/l. Das Weinsäure/Apfelsäureverhältnis betrug im Steilhang 2,22 und im Kernstück 1,57, d.h. es ist mehr „weiche“ Weinsäure als „harte“ Apfelsäure vorhanden. Das ist sehr gut für die Struktur und die Ausgewogenheit des Weines.

Wie beim Teufelskopf, beim Orbel und beim Hipping, hat der fertige Wein mit einer Gesamtsäure von 6,3 g/l mehr Säure wie die einzelnen Moste aus Kernstück und Steilhang – wieder eine wundersame Säurevermehrung. Wenigstens liegt der Alkohol mit 12,9 % da, wo er nach der Mostanalyse sein sollte.

Die Gärung

Nachdem wir – wie bei uns üblich – den Most für ca. einen Monat, heruntergekühlt mit Trockeneis, bei ca. 3 °C auf die Stabulation gelegt haben, haben wir durch das Weglassen der Trockeneiszugabe die Gärung eingeleitet. Wir lassen die Weine dabei spontan angären und wenn sie anfangen zu böchsern, geben wir Reinzuchthefe dazu (zu den einzelnen Hefestämmen später mehr). Die Gärung selbst findet bei uns im Freien statt, d. h. unsere Fässer stehen während des kompletten Winters draußen. Das führt zum einen dazu, dass bei einem kalten Winter die Gärung wesentlich langsamer vonstatten geht wie in einem warmen Winter – und wir damit auch wieder den Jahrgang abbilden – und zum anderen, dass wir sehr lange Gärzeiten erreichen, da die Gärung in der Regel erst im Sommer des nächsten Jahres abgeschlossen ist. Lange Gärzeiten resultieren in der Regel in komplexeren und strukturierteren Weinen und unsere Art zu vergären scheint, wie wir inzwischen gelernt haben, diesen Effekt noch einmal zu verstärken.

Die Weinwerdung

In der Weinbereitung 2018 haben wir unsere Innovationsschraube noch einmal eine Umdrehung weitergedreht. Beim Pettenthal haben wir – analog zum Orbel, Ölberg und Hipping – dabei aber nicht, wie beim Teufelskopf, mit gebrauchten Rotweinfässer experimentiert. Wir haben nur unseren Versuch, alle unsere fünf Einzellagen in jeweils einem 300 Liter HT (High Toast) Barrique auszubauen, durchgeführt. Wie beim Orbel, haben wir allerdings zusätzlich noch ein neues 225 l HT Barriques verwendet.

Die neuen Fässer haben wir von unserer Haustonnellerie Hösch in Hackenheim bei Bad Kreuznach bezogen. Wir schätzten einfach die unaufgeregte Art dort, die mit hoher Fertigungspräsentation und extremer Qualität des eingesetzten Holzes verbunden ist. Für das 300 l Barrique haben wir ein Mondphasen-Holz aus Taunus-Eiche ausgesucht, vielleicht weil Taunus-Eiche noch besser zu uns passt als Johanniskreuz (Pfälzer Eiche), aber vielleicht auch nur, weil hier wieder unsere Affinität zum Rheingau durchgeschlagen hat. Das Barrique aus Wiener Eiche – ein bewusster Kontrapunkt – ist ein Tribut an die schwarze Wiener Seele von Herrn Dr. Frank – Wolfgang Ambros und sein Zentralfriedhof lassen grüßen.

Bei den beiden neuen Barriques haben wir nach dem spontanen angären die „schlimme“ Aromahefe Exotic eingesetzt. Wenn bei dem einen oder anderen von Ihnen der Begriff „Simi White“ klingelt – ja genau da sind wir und vielleicht ist die Exotic noch ein wenig extremer. In Verbindung mit dem direkt, d. h. ohne Wässerung, oder andere Vorbehandlungen befüllten HT-Barrique, kann man sich auf jeden Fall nicht weiter von der gängigen Lehrmeinung, wie Riesling auszubauen wäre, entfernen, ohne den Pfad der Seriosität zu verlassen.

Alle denen, die meinen, wir hätten jetzt mit der quietschig-vollfruchtig-bonbonartigen Weiße-Kuschelhäschen-Reinzuchthefe Exotic völlig den Verstand verloren, entgegnen wir, dass Riesling in Grand Cru Dimension vieles wegsteckt, alles ausprobiert werden muss und wir hier das beste der sowieso ausgezeichneten Ergebnisse erzielt haben. Hier einmal eine Verkostungsnotiz des 300 l Barriques kurz vor der Abfüllung: „Sehr klares und strukturiertes Bukett mit hoher Mineralität, Toast, kandiertem Holz, würzigen Noten, Wald und dem pettenthal-typischen Weinbergspfirsich. Hat merklich Holz, ist aber dennoch super klar. Am Gaumen sehr trocken, mit viel Frucht, Würze, merklich Holz und Holztannin. Trotz des Fehlens von Restzucker viel Extraktsüße, Saft und Kraft. Wieder Weinbergspfirsich und auch andere, unter der Oberfläche lauernde Fruchtkomponenten. Steht kurz vor der Fruchtexplosion. Wald, Waldhonig und kandierte Tannennadeln. Was für eine geile Komponente. Schade, dass wir sie nicht solo abfüllen können. So macht der Einsatz von Exotic auf jeden Fall Sinn!„.

Bei den anderen Fässern haben wir dann hauptsächlich die „konventionelle“ Heiligenstein als Hefe eingesetzt. Die Heilgenstein entwickelt eine Geschmackskomponenten als ob man einen heißen Ziegelstein bei 50 Grad Außentemperatur im Steilhang mit einem Krug Wasser übergießt. Eine ganz warme und harmonische, sehr angenehme, aber auch präzise, rotfarbene Mineralität. Als Vergleichshefe haben wir diesmal mit GHM und AR2 gearbeitet. Die GHM der Forschungsanstalt der Universität Geisenheim ist der Heiligenstein nicht unähnlich, vielleicht etwas neutraler. Die AR2 – eine der Lieblingshefen unseres leitenden Önologen Alf Ewald – ist eine reduziert-aromatische Hefe, die neben der Frucht auch die Struktur der Weine betont. Die AR2-Gebinde sind in der finalen Assemblage speziell für die Komplexität wichtig.

Alles in allem sind wir mit den Ergebnissen unserer Experimente im Jahrgang 2018 sehr zufrieden, wenngleich es uns auch ein wenig traurig macht, da wir die Grenzen des sinnvoll Machbaren nun ausgelotet haben. Aber vielleicht fällt uns ja gemäß unseres Mottos „to boldy go, where no man has gone before“ noch etwas ein, was wir ausprobieren können.

Gestoppt haben wir die Fässer zwischen März und Juni 2019. Die Gärzeit betrug damit fünf bis acht Monate.

Assemblage und Füllung

Die finale Assemblage unseres Pettenthals 2018 besteht aus 600 l Hösch Halbstück MT+ 2016 (unser „altes“ Pettenthal-Halbstück, das wir in jedem Jahr mit Hipping befüllen), 500 l Johanniskreuz 2015 (unser Pettenthal-Tonneau, das wir 2015 für unseren Jungfernjahrgang Pettenthal angeschafft haben, 3 x 225 l Seguin Moreau 2012 (2 x vorbelegt mit Sauternes), 225 l Tremeaux MT 2016 (2 x vorbelegt mit unserem Pettenthal), 225 l Hösch HT Wiener Eiche 2018 (Neu) und dem 300 l Hösch Taunuseiche HT 2018 (Neu). Eine Stahltank-Komponente haben wir beim Pettenthal nicht verwendet.

Wir haben den Wein am 10.12.2019 abgefüllt und seitdem reift er in der Flasche. Mit dem Jahrgang 2018 habe wir unser Ziel erreicht, unsere Weine erst drei Jahre nach der Ernte auf den Markt zu bringen, also mit einem Jahr Fassreife und zwei weiteren Jahren Reife auf der Flasche. Speziell beim Jahrgang 2018 hat sich gezeigt, wie vorteilhaft dieses Vorgehen ist. Die Weine waren lange Zeit extrem verschlossen und beginnen sich erst seit einem halben Jahr ganz langsam zu öffnen.

Als Verschluss verwenden wir Naturkorken von Amorim, die mit der ND-Tech-Technologie, im Fertigungsprozess noch einmal mit einem Massenspektrometer auf TCA (Trichloranisol; also dem Stoff der den Korkschmecker verursacht) untersucht wird. Prinzipiell würden wir uns auch gerne dem Thema Schraubverschluss nähern, aber wir sind mit unserer Ausstattung mit Naturkork und Wachskapsel sehr zufrieden und irgendwie passt Grand Cru und der Ratsch beim Öffnen eines Schraubverschlusses nicht zusammen. Und glücklicherweise zeigen die ND-Tech-Korken auch einen großen Fortschritt in Sachen Korkquote.

Kapselfarbe

An der Farbe unserer Wachskapsel können Sie auch immer die jeweilige Einzellage erkennen. Für das Pettenthal haben wir Violett gewählt, das wir in Anlehnung an liturgische Messgewänder Liturgical Purple nennen. Da die Kapselfarbe den Charakter des Weines widerspiegeln soll, hatten wir überlegt für den Pettenthal ein Rosa zu wählen, das für den allenthalben vorhandenen Weinbergspfirsich steht. Dann sind wir aber zu nahe an unserem Estate Pink. Da wir diese Farbe aber nur einmal vergeben können, haben wir uns für den Ölberg entschieden. Der Ölberg ist einfach diskussionslos Pink. Mit dem Violett machen wird nun das Rosa dunkler, genauso wie die Würznoten im Pettenthal den Wein dunkler machen und etwas liturgisch-barockes hat unser Pettenthal auch immer.

Beim genauen Farbton schwanken wir noch etwas. Gegenwärtig sind wir bei Pantone 2592 C angelangt, aber wir denken, das wir hier noch etwas nachjustieren und wuchtiger werden müssen – vielleicht mit einem Pantone 2602 C. Eigentlich gefallen uns auch die Violetttöne mit einem deutlicheren Blauanteil sehr gut, aber das passt dann wieder weniger zum Wein. Ja, ja, eine Farbauswahl kann manchmal sehr schwierig sein, besonders wenn der Pantone-Farbfächer mit seinen hunderten von Farben vor einem liegt.

PRODUKTIONSMENGE & ANALYSEDATEN

Abschließend noch die wichtigsten Daten:

Gesamtproduktion: 3.094 Flaschen

Alkohol: 12,9 %

Restzucker: 5,1 g/l

Säure: 6,3 g/l

Verkostung

Am besten italienisch dekantieren. Helles Gelb mit Goldreflexen. Noch deutlich embryonal im Bukett, aber selbst in diesem Stadium mit seinem Weinbergspfirsich typisch Pettenthal. Hat als einziger der 2018er-Weine wirklich Frucht, dafür aber weniger Opulenz. Würzig, eine Spur Nuss, etwas Buttercreme und auch etwas rotfruchtiges, das ein wenig an Kirsche erinnert. Aromatische Komponenten, Toast, Lebkuchengewürze und etwas Salz. Mit Belüftung tritt die Frucht immer deutlicher hervor und später gesellen sich dann noch etwas Kurkuma, gelbe Gewürze, Erdbeer-Campino und etwas Kamille dazu. Das erinnert dann an einen Hipping, über dem rotfruchtige Campino-Noten liegen. Wirkt am Gaumen etwas leichter und etwas niedriger im Alkohol, als die anderen 2018er, aber mit ganz viel Geschmack und mit einer enormen innere Dichte. Eine Aromabombe, die trotzdem eine deutliche Cool-Climate-Anmutung hat – und das ist im sehr heißen Jahrgang 2018 dann doch bemerkenswert. Mittlerer bis voller Körper, harmonische Säure, schöne Restsüße-Balance, Pfirsich, rotfruchtige Elemente, etwas Erdbeercampino, würzige Komponenten, zarter Schmelz und eine dezent sahnige Cremigkeit im Untergrund. Auch wenn sich der Wein nach ein bis zwei Tagen (etwas) öffnet, braucht er noch dringend Reife, speziell, da er sich am dritten Tag wieder verschließt und der Alkohol dann ein wenig spürbar ist. Das Lesegut für diesen Wein war überragend und ich denke, er wird auch dereinst durch die Decke gehen, aber heute ist die ganze Klasse noch nicht annähernd einschätzbar. Geben wir ihm die Zeit, die er braucht. 2023 – 2035+.

Robert Parker

94 Points (The Wine Advocate Issue 264, Dec. 30th, 2022)

„Still widely unknown, this is one of the stellar producers in Rheinhessen.“

The Niersteiner Riesling 2018 Pettenthal Grosse Lage offers a clear, deep and intense bouquet of ripe and concentrated fruits intermingled with flinty and even some iodine notes. On the palate, this is a dense, rich yet elegant, detailed and silky-textured, certainly full-bodied Pettenthal with intense and concentrated yet elegant fruit, great substance and crystalline, mineral acidity that holds everything in vibration. The 2018 is enormously rich and powerful yet comparatively moderate in alcohol. The finish still bears some future surprises. 3,419 bottles were filled in December 2019. 12.9% measured alcohol. Natural cork stopper. Tasted in December 2022.

The wine is based on the grapes from two plots. The steep slope of 2,237 square meters was picked on October 2, one day before the core plot of 1,587 square meters in the Gewann below. The cadastral name of the two east-facing plots is Floss. The average slope of the steep slope is 40.4% and that of the core plot is 23.8%. The vines were planted in 1981. The wine was vinified in oak barrels of 225 to 600 liters for five to eight months.

Das Pettenthal

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass das Pettenthal die wohl berühmteste und begehrteste Weinlage im deutschen Anbaugebiet Rheinhessen ist. In der Gemarkung Nierstein gelegen, ist sie im Kernbereich des sogenannten Roten Hangs eingebettet, der wiederum ein Teil der sogenannten Rheinfront darstellt. Im Norden schließt das Pettenthal an den Nackenheimer Rothenberg an und im Süden an den Hipping. Im Gegensatz zu Ölberg und Orbel mit ihrer reinen Südexposition, ist das Pettenthal – genauso wie der Hipping – nach Osten bis Südosten ausgerichtet. Nur im Süden der Lage neigt sich der Rote Hang in ein kleines Seitental nach Westen. Das Pettenthal wird hier vom Brudersberg unterbrochen und setzt sich dann nach Westen hin mit ausschließlich nach Süden geneigten Gewannen fort. Im Gesamten umfasst die Einzellage 31 Hektar Rebfläche.

Die zwischen 50 bis 170 Meter Seehöhe liegenden Weinberge weisen eine Hangneigung bis zu
70 % auf. Das Pettenthal gehört somit – neben den benachbarten Hipping und Ölberg – zu den steilsten Lagen Rheinhessens.

Als Katastername wurde das Pettenthal bereits im Jahre 1753 erstmalig erwähnt. Er geht nach der häufigsten Version auf „Pater’s Tal“ (Tal der Mönche) zurück, da sich die Lage lange Zeit in kirchlichem Besitz befand. Außerdem werden als Ursprung der Vorname „Peter“ sowie die hier früher häufig an den oben am Hang gelegenen Quellen und Sumpflöchern vorkommenden Kröten genannt (Petten ist eine lokale Bezeichnung für Kröten).

Die Böden bestehen aus feinkörnigem rotem Tonschiefer, dem sogenannten Rotliegenden, das sich über die Zeit aus kalkreichen, vor über 250 Millionen Jahren entstandenen Ton-, Schluff- und Sandsteinen entwickelt hat. Dieser recht gut durchlüftete Boden ist zwar kein guter Wasserspeicher, dafür aber reich an Nährstoffen, speziell Eisenmineralen. Die Eisenbestandteile sind für die rote Färbung des Bodens verantwortlich, die wiederum Namensgeber für den Begriff Roter Hang ist. In den flachen Teilen unten am Rhein besteht der Boden auch aus Schwemmland und tonigem Lehm, wobei das letzte (flache) Gewann vor dem Rhein nur namensrechtlich, aber nicht qualitativ, zum Pettenthal gehört.

Keine andere Lage bietet derartig vielfältige und extreme Voraussetzungen zum Weinbau wie das Pettenthal: Steilhänge mit wasserführenden Schichten, zerklüftete Hitzekammern, nackter Rotschieferfels und direkte Besonnung bis weit in die Abendstunden hinein. Diese Extrembedingungen sind die Voraussetzungen für extreme Weine. Durch die hohe Reife der Trauben, den Einfluss des Rheins und die direkte Wirkung des Roten Schiefers auf die Reben, die nicht – wie in anderen Lagen – durch eine Humusunterlage gedämpft wird, entstanden hier schon immer mächtige Weine. Früher trat bei den besten Weinen die Frucht zugunsten von Tabak- und Kräuternoten in den Hintergrund, sodass die Pettenthaler auch gerne als die Burgunder unter den Rieslingen bezeichnet wurden. Heutzutage – im Zeichen des Klimawandels – glauben wir, dass wir das Pettenthal mit einem Wort charakterisieren können: Intensiver Weinbergspfirsich und zwar bis hin zu einer fast schon „kitschigen“ Form.

Der Jahrgang 2018

Das Jahr 2018 wird gerne als das mit dem Jahrhundertsommer tituliert – was nicht ganz falsch ist, obwohl wir das Jahr 2003 in dieser Hinsicht noch für ausgeprägter halten. Vielleicht sollten man Extreme meiden und nicht von einem Jahrhundertsommer sprechen – das Jahrhundert ist noch lang – sondern „nur“ von einem Jahr mit einem langen, wunderschönen Sommer, dem aus weinbautechnischer Sicht leider das Wasser gefehlt hat. Aber beginnen wir beim Jahrgang 2018 von vorne.

Trocken, sonnig und sehr warm

Während der Frühwinter noch relativ feucht war, begannen die Niederschläge bereits ab Februar 2018 unter ihr langjähriges Mittel abzutauchen. Einem extrem warmen Januar folgte ein kühler Februar und März. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir schon, dass wir eine späte Ernte bekommen würden, aber im April wurde es mit fünf Grad über dem langjährigen Mittel wieder sehr warm und die Natur explodierte förmlich. Der Austrieb erfolgte am 19. April 2018 noch einen Tag später als im 15-Jahres-Schnitt (18. April), aber das Wachstum der Rebstöcke danach war unglaublich. Selten haben wir in so kurzer Zeit solche Fortschritte gesehen. Beim Blühbeginn am 18. Mai 2018 notierten wir bereits einen Vorsprung von mehr als einer Woche zum 15-Jahres-Schnitt (6. Juni), der sich bis zum Erreichen der Erbsengröße am 13. Juni 2018 auf mehr als zwei Wochen ausgebaut hatte.

Auch wenn es danach immer sonniger wurde, stagnierte die Vegetation aufgrund der Wasserknappheit. Hätte es in dieser Zeit etwas mehr geregnet, könnten wir von einem idealen Jahr sprechen, so aber bereitete uns die Trockenheit immer mehr Kopfzerbrechen. Speziell unser Jungfeld im Ölberg lies deutlich die Ohren hängen und wir haben mit aller Gewalt versucht unsere Pinot Noir Ernte zu retten. Dies hat sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt, denn Mitte September haben wir die Trauben dann doch abgeschnitten und, wenn wir das früher gemacht hätten, hätten wir die Belastung der sehr jungen Reben deutlich reduziert. Dafür haben wir bei unseren andern Weinbergen alte, tiefwurzelnde Reben, die die Trockenheit wesentlich besser als erwartet weggesteckt haben.

Die Weinlese

Da sich ab Anfang September nicht mehr viel in den Weinbergen getan hat und auch weit und breit kein Regen in Sicht war, war die Bestimmung des optimalen Lesezeitpunktes keine wirkliche Herausforderung. Wir haben zwischen 24. September und 5. Oktober 2018 bei idealem Wetter gelesen. Die Menge war reichlich und die Qualität außergewöhnlich. Wir hätten gedacht, dass die Weine aufgrund der Trockenheit nicht besonders hoch im Extrakt wären – und nicht wenige Weine sind das auch – aber bei uns konnten wir bisher kein Defizit feststellen. Zwar sind, wie erwartet, die Säurewerte niedrig, aber – speziell im Gegensatz zum Jahr 2003 – ist die Säurebalance sehr gut, was uns alle sehr erleichtert. Die gärenden Moste sind extrem harmonisch, hocharomatisch und weisen teilweise ein Geschmacksprofil aus, das wir bisher überhaupt noch nicht auf der Zunge hatten.

Bei aller gebotenen Vorsicht kann man es nur als sensationell beschreiben. Insofern sind wir mit dem Jahrgang 2018 hochzufrieden, auch da er sich, wie wir erhofft hatten, auf der Flasche exzellent entwickelt.